Der Tausendfüßler – Das Blog zum Roman


Kolumne auf Hauptstadtstudio – Frust und Lust mit der BVG

© Hauptstadtstudio

Mal ehrlich. Warten auf die Bahn, auf den Bus, auf die Verabredung zum Kaffee, auf eine Dame, auf einen Herrn, auf Weihnachten, den Feierabend, das Wochenende, den Urlaub, … gewartet wird doch immer.

Das darf man der BVG nicht wirklich vorwerfen. Das ist doch zum Teil ihr Kerngeschäft, dass die öffentlichen Verkehrsteilnehmer laut Fahrplan eben warten müssen. Im Laufe unseres ganzen Lebens sind wir doch bei genauer Betrachtung nur am Warten. Darauf, dass der Kinofilm beginnt oder ich endlich zur Sprechstunde beim Hausarzt aufgerufen werde; und das trotz Termin oder im Sinne der BVG laut Fahrplan.

25 Minuten warten – Frustration vorprogrammiert

Jetzt erst am Wochenende stand ich an der Haltestelle Alt-Moabit/Rathenower Str. Es regnete und ich war trotzdem guter Dinge. Ich hatte wie üblich einen Termin. Doch als ich dann doch geschlagene 25 Minuten auf den Bus wartete, spürte auch ich so manch seltsam ungewohntes Gefühl in mir. Jenen Drang sich lautstark echovieren zu müssen. Zudem fuhr sichtlich provozierend im Intervall der TXL an meiner Nase vorbei. Zwar ein Bus der BVG, aber eben nicht meiner und dies war auch explizit keine TXL-Haltestelle.

Tropfen auf den heißen Stein – BVG Entschädigungsprogramm

In Gedanken fiel mir prompt auch ein, dass heute zum Samstag die BVG ihr Entschädigungspaket von der Leine gelassen hatte. Mit einem Einzelfahrschein konnte demnach der Fahrgast den ganzen Samstag mit der BVG fahren. Dies ist sogar am 1. Advent und an den folgenden Adventswochenenden möglich. Ich hatte jene Information im Radio vernommen. Das Ganze ist ein Teil aus dem Entschädigungsprogramm für die langfristige Misere in diesem Sommer, in der letzten Zeit und möglicherweise auch für die Zukunft. Ich sage da nur: Notfallfahrplan. Weiterhin gibt es die Tickets für den Dezember für 15 € weniger und Abo-Kunden bekommen den 12. Monat sogar geschenkt. Was für ein Schachzug der Reue! Ist es nicht eine kleine gut angelegte PR-Kampagne, die vorerst weit weniger kostet das eigene Image aufzupolieren, als dieses durch einen pünktlichen Zeitplan und sichere, sowie funktionstüchtige Transportmittel zu gewährleisten? Ich vermute es einfach mal. Klar, letzteres kostet sicherlich wesentlich mehr – so auf die Schnelle. Was zahlentechnisch noch zu beweisen wäre QUOD SIT DEMONSTRANDUM und bleibt daher nur eine subjektive Annahme.

Die Waage der Gerechtigkeit

Wer aber auf den Bus wartet und einen Termin hat, der lässt schon mal gern die eigene Frustration an der Institution BVG bzw. der S-Bahn aus. Im Extremfall auch an den Menschen, die repräsentativ dafür stehen. Busfahrer, Servicepersonal etc. Sie sind dann eine Art menschliche Klagemauer verbaler Attacken. Ich habe es oft genug mitbekommen. In diesem Fall tariert sich die Waage der Gerechtigkeit oder auch der Ungerechtigkeit von selbst aus. Die eine Seite schafft es nicht den Fahrplan einzuhalten, die andere Verständnis und entsprechende Wortwahl aufzubringen. Schimpfen werden die Leute eh immer. Es schätzen zu wissen, dass die öffentlichen Verkehrsmittel der BVG ein überaus komplexes und doch zum größten Teil reibungsloses Konstrukt sind, wohl weniger. Sollten wir eigentlich nicht froh sein, dass wir so modern aufgestellt sind? Wenn ich da an meinen Kuba-Aufenthalt denke, wie die Menschen dort von A nach B gelangen und welch Wartezeiten es da zu bewältigen gibt, dann werde auch ich wieder innerlich ruhiger. Aber wer denkt schon darüber nach, wenn er frustriert auf die Bahn, den Bus oder gar den Weihnachtsmann wartet?

Einfach mal … – menschlich bleiben!

Zudem sollte jedem Mitarbeiter der BVG, egal ob der Busfahrer wieder einmal das Klischee des unfreundlichen Berliner Busfahrers erfüllt oder nicht, ein Tribut der Dankbarkeit und Annerkennung gezollt werden. Schließlich sind es immer noch Menschen, die neben all der Technik uns sicher von A nach B bringen. Ob nun im Terminal am PC oder in der Cockpit-Kanzel der S-Bahn oder des Busses. Diese Menschen funktionieren. Sie sollen, sie müssen zu hundert Prozent funktionieren, genau wie das Material und Streckenplanung funktionieren sollten. Wenn dann dazu noch gelächelt wird, ist es das I-Tüpfelchen der Servicepalette. Was letztendlich wirklich zählt und Muttern immer sagt: Hauptsache gesund ankommen. In diesem Sinne werde ich mir beim nächsten Mal genau über diese Phrase Gedanken machen und die aufkeimende Frustration einfach mal hinter dem Wartehäuschen begraben. Diese Handlung sollte zudem auch förderlich gegen zu hohen Blutdruck sein. Denn wenn ich schon nicht das Fahrrad benutze und mit dem Streckennetz der BVG meine winterliche Bequemlichkeit fröne, dann sollte ich die Aussicht auf erhöhten Blutdruck durch den Verlust des Fahrradtrainings so mit einer gewissen Gelassenheit kompensieren können.

(Kolumne „Frust und Lust mit der BVG“ ehemals auf hauptstadtstudio.com)

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