Der Tausendfüßler – Das Blog zum Roman


Montagskolumne von Jens Böhme auf Hauptstadtstudio

Kolumne: Wer ist hier der Grinch?

Einmal ein Grinch sein. – Wieviel Grinch ist in Dir?

© Hauptstadtstudio

Schon mal daran gedacht dem Weihnachtsmann den Geschenkesack zu klauen? Vielleicht nicht den Sack klauen, aber zumindest, das mit den Geschenken in diesem Jahr mal völlig sein zu lassen. Na, so bösartig wie der Grinch wollen wir dann doch nicht sein oder?

Aber durch die Antihaltung wenigsten der Weihnachtsindustrie ein eigenes, ein ureigenes Schnäppchen schlagen. Kampf dem Konsum! Ho ho ho hooou, das macht den Grinch “in Dir” – gar froh.

Vielleicht gibt es sogar bei dem ein oder anderen den Gedanken den Originalweihnachtsbaum aus dem Wald durch einen ordinären Plastikbaum zu ersetzen? Sei es aus Faulheit die Nadeln täglich wegsaugen zu müssen oder aus Kostengründen. War ja schließlich Wirtschaftskrise, da müssen alle ein paar Federn … äh, ich meine natürlich Nadeln lassen. Eben so eine richtige moderne Plastiktanne mit integrierter Wii-Station zum digitalen Pilzesuchen auch im Dezember innerhalb des Nadelgeflechts bzw. einem Holzfäller-Kamikaze-Game zum zusammenklappen und in die Ecke stellen; für den ungenutzten Stauraum im Keller. Ein Stino-Plastikbäumchen zum wiederaufbereiten frisch aus dem Gorleben der Wohnstube – alles strahlt -, um es nächstes Jahr erneut zu reanimieren. Aber ob dies der Geschenke- und Weihnachtsindustrie wirklich in die Strategie passt, ist fraglich? Da sind wir wieder bei den Nadeln, die sich förmlich zu Dornen transformieren. Und diese Dorneshaltung des Konsumenten: Nun, diese ist der Industrie mit Sicherheit ein wahrer Dorn im Christbaumschmuck. Zumindest kommt mir beim Anblick der Weihnachtsartikel schon Ende September jene Art der Neurose einfach mal zum Grinch zu mutieren, ganz gelegen.

Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat – Seuss lässt grüßen

Der Grinch hasst Weihnachten. Ein kleiner Exkurs am Rande. Er ist ein grünes behaartes Wesen und entstammt aus der Feder des Schriftstellers Theodor Seuss Geisel. Sein Kinderbuch erlangte in den USA Kultstatus. In unserem Breitengrad dürfte dieser Antiheld der Weihnacht aus der Verfilmung des Regisseurs Ron Howard mit Jim Carrey als grüner Weihnachtshasser eher auf diesem Wege bekannt sein. Und weil eben dieser grünen Froschnatur der ganze Weihnachts-Kladderadatsch tierisch auf den Senkel ging, – klar, grün ist eben schon aus Corporate Identity zum Weihnachtsfest nicht die richtige Farbe – beschloss er sich als Weihnachtsmann zu verkleiden und das Fest der Liebe zu klauen. Es sei angemerkt, dass ich durchaus kein grünes behaartes Wesen bin und zudem auch nicht an der Rot-Grün-Blindheit leide. Nur manchmal, wenn das Weihnachts-Tam-Tam überhand nimmt, eine Heuchelei die andere ablöst und überkandidelter Kitsch zur eigenen Epoche avanciert, neben der uns altbekannten Epoche der Romantik, dann … dann ist selbst mir als romantischer Geist das eine Spur zu heftig.

Dann hilft nur noch: Plätzchenbacken. Denn das ist ja wohl der wahre Geist der Weihnacht. Sich zusammenfinden, ein Lichtlein anzünden, vielleicht auch zwei, drei, … aber keine Feuersbrunst und dabei gemütlich entspannt mit der Familie oder den besten Freunden das Beisammensein genießen. „Freunde“ sind übrigens die Familie, die man sich aussuchen kann; habe ich mal gelesen. Ein traditioneller Punsch zu Hause oder auf dem Weihnachtsmarkt ist natürlich auch eine Alternative. Da spricht und lacht man jedenfalls miteinander, Mann & Frau tut es eben einfach! Im Gegensatz zum Geschenke kaufen. Da fragt sich jeder nur: Was hat sie denn noch nicht? Was ist denn ein angemessenes Geschenk für die Schwiegereltern? Oder: Wo bekomme ich nur die CD mit der Original-Unterschrift von Robbie Williams her? Tja, das sind einseitige Dialoge und sicherlich nicht im Geist der Weihnacht. Das mag für den ein oder anderen eine Herausforderung sein, ein archaischer Kampf, aber doch ein einsamer. Wenn dabei der suchende Mann oder die Dame nicht gerade von den Freunden beim Weihnachtsshopping unterstützt wird.

Im Clinch mit dem Grinch „in uns“

Aber zurück zum Exkurs. Der Grinch in seiner Euphorie das Richtige zu tun, entwendet mit Hilfe seines treuen Hundes die Geschenke der Bewohner aus dem Nachbarort und glaubt somit dem ganzen überschwänglichen Feierlichkeiten ein Ende gemacht zu haben. Da irrt er aber gewaltig, wie die Geschichte beweist. Letztendlich wissen wir doch alle, dass Weihnachten weit mehr ist als nur ein Geschenkewahn und bunte Lichter. Es sollte zu mindest in den Köpfen zu mehr herhalten. Auch weniger mag in diesem Fall oft „vielmehr“ sein. Es gibt einfach zu viele schöne Dinge in der Vorweihnachtszeit oder zu Weihnachten selbst, als das ich ehrlich gesagt wirklich zum Grinch mutieren würde. Wenn das sogar der Grinch am Ende der Weihnachtsgeschichte selbst entdeckt und von seinem Anti-Tripp geheilt wird, dann bin ich schon lange geheilt – vor allem vom Konsum. Jedoch noch lange nicht vom Duft der Weihnachtsmärkte, dem herzhaften Gaumenschmaus, den extravaganten Süßigkeiten, wie auch nicht davon meinen Lieben zu Weihnachten zu sagen: „Fröhliche Weihnachten, ‚ick’ hab Euch lieb.“

(Kolumne „Wer ist hier der Grinch?“ ehemals auf hauptstadtstudio.com)

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