Der Tausendfüßler – Das Blog zum Roman


Montagskolumne auf Hauptstadtstudio: The King of Rock’n Roll Elvis Presley und der Monk in mir

Schneeweißes Berlin – The King of Rock’n Roll Elvis Presley und der Monk in mir

Im Berliner Winter mit „Elvis The King Presley“ im Ohr

Am letzten Freitag wäre Elvis Presley The King of Rockn Roll 75 Jahre alt geworden. Es war wieder einmal die kleine Kofferheule von einem Radio in meinem Badezimmer und der Moderator, der mich auf diesen Fakt aufmerksam machte. Sogleich wurde von mir im MP3-Player eine Hitliste von Elvis reanimiert und das ganze Wochenende stand unter der Sonne des King. „Don’t be cruel …“ – gut so grausam möchte ich jetzt nicht sein und von Sonne mitten im Winter reden. Nicht, wenn ganz Berlin zugeschneit ist und von Sonne nur in den Herzen oder in den Gedanken gesprochen werden kann. Egal wo ich unterwegs war, ob in Kaulsdorf Nord, am Alex oder aber im Prenzlauer Berg, überall gab es Schneemassen. Irgendwie schien es als habe dadurch die Berliner Welt ein paar Takte der Schnelligkeit verloren. Die Berliner, sonst sehr rasant und immer auf Überholspur, ständig in Bewegung und in Eile, von einem Ort zum anderen, hatten sichtlich einen Gang zurück geschalten. Auch auf den Straßen, die zum Teil wie leer gefegt erschienen, fuhren die meisten PKW’s nahezu im Schritttempo. Oder zu mindest so schnell, dass man einen Aufprall möglicherweise überlebt hätte. Dafür aber sind die S-Bahnen voll und so mancher könnte sich nachhaltig seiner Klaustrophobie bewusst werden. Monk lässt grüßen. Manchmal erscheint es dem Fahrgast wie in einem Viehtransporter. Stationsabhängige Zustände, die an lustige Youtube-Videos der U-Bahn in Japan oder anderen Staaten mit starkem Pendleraufkommen in den Öffis zur Hauptverkehrszeit erinnern. Lustig ist das aber für viele nicht!

Kaulsdorf Nord und im Ohr Elvis – „Love Me Tender“

In Kaulsdorf Nord, da wo der Kienberg zu finden ist und sich die Wuhle hindurch schlängelt, sah ich oft kleine unberührte Schneeareale. Es kribbelte mir in den Fingern diese durch meine Fußstapfen zu markieren. Aber in alter Monkmanier, die Ordnung und die Reinheit liebend, alles im Urzustand belassen zu wollen, tat ich es nicht. Bei einer Diskussion zu Hause in der warmen Küche über Adrian Monk wurde ich überraschenderweise als „Ein kleiner ‚Monk’ bist du aber schon.“ von meiner Gesprächspartnerin eingestuft. Kurze Überlegung. Ein Nicken folgte und in der Reflexion einiger Eigenarten sah ich bildlich vor mir, wie ich stets auf meinem Schreibtisch oder auch am Arbeitsplatz alle Stifte gerade rücke. Auch Bücher und andere Utensilien im Haushalt werden oft in Reih und Glied gelegt. Eben so, dass es optisch gut aussieht. Da wir gerade in der Küche standen und ich am Abwasch und aufräumen war, bemerkte ich es mal wieder leibhaftig, wie akribisch ich durchaus das Schlachtfeld kulinarischer Ergüsse beseitigte. Bei Zeitmangel werden die Dinge zu mindest optisch einwandfrei positioniert. Da war er, der „Monk“ in mir. Tja, da wurde ich förmlich mit der Nase in diesen Zustand der Ordnungsliebe eingetaucht. Im kalten Berliner Schnee wäre dies sicherlich nicht so prickelnd gewesen. Wahrscheinlich hätte ich dann eine zusätzliche Phobie wie Privatdetektiv Adrian Monk entwickelt – eine Scheephobie. Egal, der King war bei mir und untermalte mir melodisch-zuckersüß das vor mir liegende „Weiße Berlin“. Übrigens gibt es einen Künstler in Berlin, Nicolas Young, den der Berliner Kurier als „King von Berlin“ betitelte; Nicolas Young. Ich habe ihn schon oft selbst live erleben können und hoffe nur, dass er auch im Jahr 2010 mit “The Soul of Elvis” in einschlägigen Berliner Lokalitäten den King of Rock’Roll auferstehen lässt. Eine emotionale Show für die Augen und die Ohren. Elvis lebt!

Die Phobien des Adrian Monk und “Devil in Disguise”

Elvis Presley und Adrian Monk sind nun doch zwei verschiedene Persönlichkeiten. Beide aber waren für mich gedanklich bezeichnend für dieses schneeweiße Wochenende in Berlin und wer hätte das Gedacht: Monk hat neben Akrophobie (Höhenangst), Klaustrophobie (Angst vor Enge), Achluophobie (Angst vor Dunkelheit), Aphephosmophobie (Berührungen) und Bacteriophobie (Bakterien) auch eine mir bis dahin unbekannte Phobie, die Gymnophobie. Bis zu dieser Kolumne kannte ich nicht einmal die Bedeutung des Wortes Gymnophobie, nämlich die Angst vor nackten Menschen. Was es nicht alles gibt? Davon spreche ich mich, wie auch von den anderen frei. Schließlich bin ich ja auch kein berühmter Serienheld mit Superspürnase für’s Detail; auch wenn ich gern akribisch aufräume und akkurat Dinge anordne. Mit den Elvis Songs „Suspicious Minds“, „Can’t Help Falling in Love“, „Devil in Disguise“, übrigens meine Lieblingslieder, ging es dann am Sonntag mit dem Gedanken an Herrn Monk zurück zum Berliner Hauptbahnhof. Das Wochenende lag in den letzten Atemzügen und „Leise rieselt der Schnee“ stand ich am Ausgang Europaplatz. Just in diesem Moment kam mir die Übersetzung von „Devil in Disguise“ in Erinnerung: Der Wolf im Scharfspelz. Grinsend formierte sich zusätzlich in mir, beim Anblick der Schneemassen, der Spruch “Wenn der Schnee schmilzt, sieht man erst wo die Sch… liegt.” … Na dann, mein liebes Berlin, schauen wir mal was sich nach dem Tauwetter alles so darunter verbirgt. Siehe da, hier wären wir schon wieder assoziativ annähernd bei Adrian Monks Bacteriophobie und indirekt bei meinem Monksinn für Ordnung. Doch bei aller Ordnungsliebe manchmal sollte man einfach mal alle Fünfe grade sein lassen oder die Dinge eben mal schräg liegen lassen.

(Kolumne „Schneeweißes Berlin – The King of Rock’n Roll Elvis Presley und der Monk in mir“ ehemals auf hautpstadtstudio.com)

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