Der Tausendfüßler – Das Blog zum Roman


Erwin Strittmatters Tinko-Eiche
Ortseingangsschild Groß Plasten nahe der Tinko-Eiche

Ortseingangsschild Groß Plasten nahe der Tinko-Eiche

Erwin Strittmatter, vielen vor allem bekannt durch seine Werke Ole Bienkopp und die berühmte autobiografische Trilogie Der Laden, hat auch in dem kleinen Örtchen Groß Plasten (nahe Waren an der Müritz) seine Spuren hinterlassen. Der sorbisch-deutsche Autor, der am 14. August 1912 in Spremberg geboren wurde (gestorben am 31. Januar 1994 in Schulzenhof), schrieb 1954 das Jugendbuch Tinko. Das Buch wurde in der DDR schnell populär und Strittmatter erhielt für den Roman den Nationalpreis der Deutschen Demokratischen Republik. Im darauffolgenden Jahr kam es dann sogar zur Verfilmung des Buches.

Durch diese Filmarbeiten erhielt der früher im Volksmund genannten Krähenberg mit der Eiche seine besondere Bedeutung. Näheres erklärt die Tafel zur Geschichte am Ortsrand:

Infotafel Tinko-Eiche Groß Plasten Müritz

Infotafel Tinko-Eiche Groß Plasten Müritz

Geschichte
„Der Tinkoberg (früher im Volksmund ‚Krähenberg‘) bekam seinen Namen mit der Uraufführung des Filmes ‚Tinko‘ am 29.03.1957 (siehe ‚Das große Buch der DDR‘ vom Eulenspiegel Verlag). Die auf dem Berg stehende Eiche ist die Tinko-Eiche. Hier liefen 1956 die Dreharbeiten für die Romanverfilmung von Erwin Strittmatters Heimkehrer-Roman ‚Tinko‘, u. a. mit Günter Simon in der Hauptrolle.  Hügel und Baum erinnern an den Roman und die Verfilmung. Einer 1979 veröffentlichten Inventur zur Folge, wuchsen im damaligen Altkreis Waren 79 Einzeleichen mit Naturdenkmal-Status. Doch nicht alle ragten soweit ins Land, wie diese trutzige Eiche zwischen Groß Plasten und Kraase. Statisten, Zugtiere und Geräte für den Film kamen von der einheimischen Bevölkerung.“

Die Tinko-Eiche bei Groß Plasten

Der Inhalt des Romans thematisiert die Nachkriegszeit im ländlichen Brandenburg. Am Beispiel des Jungen Tinko schildert die Geschichte die Ereignisse um die Rückkehr eines „Heimkehrers“ und die gesellschaftlichen Konflikte bei der Kollektivierung der Landwirtschaft im Osten Deutschlands. Die Familie selbst mit ihren drei Generationen dient Strittmatter als Analogie für die Perioden der Deutschen Geschichte. (Quelle: wikipedia.de)

„Mit tiefem Mißtrauen beobachtet Tinko den fremden Mann, der eines Tages im Dorf auftaucht. Er ist ein ‚Heimkehrer‘, einer, der gerade aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde. Tinko soll ‚Vater‘ zu ihm sagen, aber für ihn bleibt er der ‚Heimkehrer‘. Und Tinkos böse Ahnungen bestätigen sich: Mit dem Heimkehrer kommt Unfriede und Streit. Er nennt Großvaters 50-Morgen-Hof eine Knochenmühle und will, daß Tinko in die Schule geht statt aufs Feld.“ (Quelle: aufbau-verlag.de)

Die Tinko-Eiche nicht weit entfernt vom Schlosshotel Groß Plasten

Schlosshotel Groß Plasten Vorderansicht

Schlosshotel Groß Plasten Vorderansicht

Wie schon im Bookcrossing-Artikel über das Freilassen des Macchavelli-Krimis im Schlosshotel Groß Plasten spielt der Besuch des Hotels wieder eine zentrale Rolle. Denn von da aus, nach einem kleinen Spaziergang rund um das Gelände, gelangt der Spaziergänger, wenn er vom Eingang des Hotels aus startet und die Straße geradeaus bis zum Ende des Ortes folgt (nur noch links abbiegen bis zum Feld) zum Aussichtspunkt mit der „Infotafel Tinko-Eiche“. Vom Rande des Feldes kann der Betrachter der Landschaft Eiche am Horizont erblicken. Die Entfernung und der Weg entlang der Straße „Zum Seeberg“ beträgt laut Google Maps ca. 800 Meter (10 min).

Google Wegbeschreibung zur Infotafel Tinko-Eiche Groß Plasten

Wegbeschreibung zur „Infotafel Tinko-Eiche“ in Groß Plasten (Quelle: Google Maps)

Es folgen Bilder rund um das Hotel bis zum Ziel Tinko-Eiche:

Schlosshotel Groß Plasten Seitenansicht mit Kräutergarten

Schlosshotel Groß Plasten Seitenansicht mit Kräutergarten

Schlosshotel Groß Plasten Seitenansicht mit Terrasse

Schlosshotel Groß Plasten Seitenansicht mit Terrasse

Schlosshotel Groß Plasten Blick auf den Kleinplaster See

Schlosshotel Groß Plasten Blick auf den Kleinplaster See

Schlosshotel Groß Plasten Einfahrt

Schlosshotel Groß Plasten Einfahrt

Tinko-Eiche bei Groß Plasten

Tinko-Eiche bei Groß Plasten

Typ: Naturdenkmal

Baumart: Stiel-Eiche (Quercus robur), auch Sommer-Eiche genannt

Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern

Kreis: Mecklenburgische Seenplatte

Ort: Groß Plasten

Geo-Koordinaten: E12°53.0374′ / N53°33.0544′

Einzelbaum oder Gruppe: Einzelbaum

Zustand: vital

(Quelle: baumkunde.de)

Infotafel zur Tinko-Eiche im Hintergrund

Infotafel zur Tinko-Eiche im Hintergrund

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Zitat Arthur Schopenhauer
21. Februar 2016, 15:47
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„Glück bedeutet die Abwesenheit von Unglück.“

(Arthur Schopenhauer – * 22. Februar 1788 in Danzig; † 21. September 1860 in Frankfurt am Main, deutscher Philosoph, Autor und Hochschullehrer)

„Schopenhauer definiert Glück in seinem Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung als ein Negativum, als die Abwesenheit von Unglück. Daher kann die Befriedigung oder Beglückung nie mehr seyn, als die Befreiung von einem Schmerz, von einer Noth. [2]“ (Quelle: Wikipedia – Eudämonologie/Artuhr Schopenauer | [2] Die Welt als Wille und Vorstellung: vier Bücher, nebst einem Anhange, der die Kritik der Kantischen Philosophie enthält. Leipzig: F. A. Brockhaus 1819, S. 459)

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Bookcrossing mit einem Buch von Loriano Macchiavelli
17. Januar 2016, 18:11
Filed under: Bookcrossing | Schlagwörter: , , ,

Loriano Macchiavelli gilt als einer der der Begründer des modernen italienischen Kriminalromans

Über Bookcrossing habe ich in diesem Blog schon einige Male berichtet. Nunmehr möchte ich über einen Fund berichten, den ich selbst entdeckt und letztlich auch genutzt habe. Letztes Jahr im Juni saß ich in einer Arztpraxis in Berlin und sah, nachdem ich mich hingesetzt hatte, von meinem Sitz aus folgende Bücher auf dem Tisch im Wartezimmer:

 

drei bücher für Bookcrossing

Bookcrossing Die Qual der Wahl 3 Bücher

Ich hatte die Wahl zwischen:

  1. Jose Pahlo – Die unmögliche Leiche
  2. Agatha Christie – Mord im Orientexpress
  3. Loriano Macchiavelli – Tödliche Gedenken

Ich griff beim Buch von Loriano Macchiavelli zu.

„Tödliche Gedenken“ (Italienische Ausgabe – Fiori alla memoria, Turin 2001 | Deusche Ausgabe – Tödliche Gedenken, München 2005) gehört, wie ich erfuhr, zum Antonio Sarti Zyklus (ähnlich wie die Bruno-Reihe von Martin Walker, über die ich hier schon oft berichtet habe, auch ein Zyklus). Mich interessierte dieses Buch am meisten. Vor allem sprach mich das Cover an. Da ich gerade schon zwei Bücher parallel las und die Dicke des Buches sah, dachte ich mir zudem, ein „weitgehend“ kurzer Krimi ist da nicht verkehrt.

Also: Aufgenommen und eingesteckt.

Was ist die Geschichte im Buch?

Bookcrossing im Schlosshotel Groß Plasten

Buch mit BCID

Ein bisschen komisch kommt man sich schon vor, wenn man das Buch einfach einsteckt. Ich hatte ein kurzes illegales Gefühl, zumal ja noch andere Personen im Warteraum der Praxis waren. Muss dann schon kriminell ausgesehen haben, vor allem wenn diese nicht im Bilde sind und das Label für Bookcrossing nicht gesehen haben. Aber als Fan macht man sich da nur 0,43 Sekunden-lang Gedanken und freut sich Teil von etwas Größerem zu sein und inspirativen Lesestoff in Form des Zufallsfundes zu erhalten.

Die BCID (Bookcrossing-ID) lautet: 189-10425671

Wie auf dem Bild zu sehen ist, schaut man als Bookcrosser sofort im Internet nach, welchen Weg das Buch denn schon zurückgelegt hat. Bei diesem Buch war der Weg bisher recht kurz, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Nur war ich mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Klaren, wie lange ich das Buch tatsächlich behalten werde.

Zum Inhalt des Buches

„Kommissar Antonio Sarti kann sich wirklich Schöneres vorstellen, als in einer kalten Nacht ein abgelegenes Partisanen-Denkmal zu bewachen, doch er erfüllt seine Pflicht. Um so ärgerlicher, daß ein kurzer Moment allzu menschlicher Unaufmerksamkeit respektlosen Schmierfinken schändliches Handeln ermöglicht. Auf der Stelle verfolgt er die flüchtigen Übeltäter. Einen findet er tatsächlich und schon nach wenigen Metern: ausgestreckt am Boden liegend, mit zertrümmertem Schädel …“ (Quelle: Klappentext)

Freilassung des Buches „Tödliche Gedenken“ im Schlosshotel Groß Plasten

Bookcrossing mit Loriano Macchiavelli Tödliche Gedenken Schlosshotel Groß Plasten

Bookcrossing mit Loriano Macchiavelli Tödliche Gedenken Schlosshotel Groß Plasten

Letztlich habe ich eine ganze Weile gebraucht, bis ich dieses Buch zu Ende gelesen habe. Das lag nicht unbedingt daran, dass es langweilig war, sondern eher daran, dass ich in dieser Zeit die anderen Bücher erst einmal zu Ende lesen wollte und dann eine doch recht lese-arme Zeit hatte; so als frisch gebackener Vater. Wie auf bookcrossing.de unschwer zu errechnen ist, hat das Buch etwas über ein halbes Jahr bei mir verweilt, ehe ich es wieder frei gelassen habe.

Den Dezember über lag das Buch aber schon auf dem Gelesen-Stapel. Ich wollte den Roman wieder in Berlin frei lassen und dies auch dokumentieren – das WIE, das WANN und das WO.

Bookcrossing im Schlosshotel Groß Plasten

Bookcrossing im Schlosshotel Groß Plasten

Bis ich dann so lange gewartet habe, dass ich mir dachte „Warum nicht ein anderer Ort? Warum nicht zu Silvester? Und warum nicht … warum eigentlich nicht im Schlosshotel Großplasten?“. In einem Hotel ist die Wahrscheinlich auch sehr groß, dass der Roman vor Ort noch gelesen wird; die Leute haben ja Zeit. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass der Roman „Tödliche Gedenken“ von einem Hotelgast mitgenommen wird, der dann den Krimi weit über die Grenzen von Berlin hinaus trägt; also wesentlich weiter als ich, der dieses Buch zu Silvester bis Groß Plasten auf Reisen geschickt hat.

So habe ich das Buch am Silvestermorgen nach einer sehr schönen Silvesterfeier mit großem Buffett, Tanz und entspannten Leuten (kann ich nur empfehlen) einfach im Erdgeschoss des Schlosshotels auf einem Schrank im Eingangsbereich zum wunderschönen Speisesaal abgelegt (wie auf dem Bild zu sehen ist). Dieses Mal hat Bookcrossing super geklappt (das war nicht immer so, wer meine Artikel über Bookcrossing kennt, weiß das, das es keine Garantie gibt). Die Person jedenfalls, die das Buch letztlich gefunden hat, notierte bei bookcrossing.de den Fundort (siehe Journaleintrag-Bild).

Ich bin echt gespannt, wo das Buch nunmehr hinwandert?

Wenn der neue Leser genauso lange braucht wie ich, dann wird diese Info sicherlich noch ein Weilchen auf sich warten lassen. Aber wenn dann irgendwann eine Info-Mail von bookcrossing.de bei mir ankommt, dann ist mit Sicherheit die Neugier groß und ich werde hier dann gern im Kommentarfeld berichten! Darauf freue ich mich schon …

Mein Journaleintrag auf bookcrossing.de

Bookcrossing Journaleinträge zu Tödliche Gedenken

Bookcrossing Journaleinträge zu Tödliche Gedenken

„Silvester in Groß Plasten verbracht. Genauer gesagt im Schlosshotel Groß Plasten, gelegen an einem kleinen See direkt vorm Haus (nahe Waren an der Müritz). Hier an diesem schönen Ort, den ich zum Ausspannen nur empfehlen kann, lasse ich das von mir gefundene  Buch „Tödliche Gedenken“ von Loriano Macciaelli frei.

Ein „niedlicher“ kleiner Kriminalroman von 205 Seiten mit doch manchmal eigenartiger Betrachtung des Protagonisten (Kommissar Antonio Sarti) von außen durch den Erzähler, der „fast“ alles sieht und weiß und berichtet. Interessantes Beziehungsgeflecht der Verdächtigen,  das es weitgehend spannend macht. Ebenso interessante Schauplätze. Der Roman spielt in Bologna.

„Heute ist der eigenwillige Polizist mit über 30 gelösten Fällen Italiens erfolgreichster Ermittler, und sein Schöpfer gilt als einer der Begründer des modernen italienischen Kriminalromans.“

Fazit: Man soll ja immer mal über den Tellerrand hinaus schauen, war dann doch eine etwas andere Lektüre und hat unterhalten, aber ich schwöre immer noch auf die Bruno-Reihe von Martin Walker im wunderschönen Perigord.“

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Frohe Weihnachten und einen „juten“ Rutsch ins Jahr 2016
Weihnachten 2016 in Familie

Weihnachten in Familie

Ich wünsche allen Lesern meines Blog von Herzen ein schönes Weihnachtsfest im Kreise der Familie und einen „juten“ Rutsch in das neue Jahr 2016.

Bleibt gesund!

Euer Jens



Interview mit dem Berliner Comic-Zeichner MAWIL zu seinem Buch „KINDERLAND“

„Kinderland“ erhielt Max und Moritz-Preis

MAWIL – diese 5 Buchstaben stehen für einen der versiertesten Comic-Zeichner Deutschlands. Comic’s von ihm wie zum Beispiel „Wir können ja Freunde bleiben“, „Die Band“, „Action Sorgenkind“ oder das DDR-Buch „Kinderland“ erschienen beim Verlag REPODUKT und im Ausland. Der Berliner Comic-Zeichner mawil lehrt als Dozent für das Goethe-Institut oder an der BTK, zeichnet für Magazine und Zeitungen wie den Tagesspiegel in Berlin. Außerdem kann man ihm als Fan auf seinen Ausstellungen begegenen, die jeder Besucher seiner Webseite auf mawil.net nachlesen kann.

Kinderland (Klappentext): Ostberlin im Sommer 1989: Mirco Watzke steckt in der Klemme. Der sonst so vorbildliche Schüler der Klasse 5a hat Ärger mit den blöden FDJlern, und der Einzige, der ihm dabei helfen kann, ist ausgerechnet dieser unheimliche Neue aus der Parallelklasse …

Interview mit Comic-Zeichner mawil

Cover Kinderland mawil

Kinderland von mawil

Hallo MAWIL! Ich grüße Dich und freue mich sehr, dass Du für das 10-Fragen-Interview für mein Literaturblog „Der Tausendfüßler“ zu Deinem Comic-Buch „Kinderland“ zur Verfügung stehst.

Du beschreibst ja sehr passend und mitunter genau den Alltag der Kinder & Jugendlichen in der DDR. Ich bin selbst 77er Jahrgang und kann im Buch viele Parallelen zu meiner eigenen Kindheit ziehen und vor allem passen einige Szenarien wie die Faust auf’s Auge. Ich hatte stets das Gefühl in meiner eigenen Vergangenheit wieder präsent zu sein. Viele Erinnerungen, die ich längst vergessen hatte oder die nur selten zum Vorschein kommen, waren plötzlich wieder da.

Gratulation zu diesem Buch und auch den dafür 2014 erhaltenen Max und Moritz-Preis in der Kategorie „Bester deutschsprachiger Comic“.

Jens: Wie bist Du eigentlich auf den Titel „Kinderland“ gekommen?

MAWIL: Mir war ziemlich schnell klar, dass ich nie DAS ultimative DDR-Comic zeichnen kann. Jeder hat ein anderes Land mitbekommen -es gab ja so viele Nischen- und mehr oder weniger gelitten, ich selber hab dort sowieso nur die Kindheit erlebt. Da wollte ich mich dann lieber auf diese Zeit konzentrieren, die ich wirklich kenne und dann fiel mir zum Glück die berühmte Gerhard-Schöne-Platte „Lieder aus dem Kinderland“ ein. Die hatte ja neben Lakomys „Traumzauberbaum“ jeder.

Berlin-Mitte und der Pionierknoten Szene aus Kinderland von mawil

Berlin-Mitte und der Pionierknoten Szene aus Kinderland von mawil

Jens: Du hast ja viele typische DDR Szenarien beschrieben wie zum Beispiel das SERO-Altstoff-Sammeln. Hast Du damals auch selbst gesammelt und kennst Du noch den Trick beim Altpapier nasse Zeitungen in das Bündel zu legen, damit es schwerer wird und ein paar Pfennige mehr rüber kommen?

MAWIL: Nee, den Trick kannte ich noch nicht, aber so im Nachhinein holt jeder noch die verrücktesten Anekdoten aus dem Ärmel, wie man sich an dem Staat gerächt oder sich das Notwenigste organisiert hat. Kein Wunder, dass dieser Sozialismus nicht funktionieren konnte.

Tischtennis-Szene Kinderland mawil

Tischtennis-Szene aus Kinderland von mawil

Jens: Tischtennisplatte und 2-Sterne-Bälle – Tischtennis spielt eine elementare Rolle in Deinem Buch. Hast Du selbst früher viel Tischtennis gespielt? Warum hast Du das Spiel so in den Vordergrund gerückt? Spielst Du heute noch?

MAWIL: Es gab ja im Osten nur zwei Sportarten. Fußball für die Kinder ohne Brillen und Tischtennis für die Kinder mit. Und Tischtennis war so die einzige Sportart, in der ich einigermaßen mithalten konnte, ja sogar auch mal kleine Triumphe feiern konnte. Ich spiele auch heute noch, selten aber regelmäßig und als der Verlag mit der Idee für ein DDR-Comic auf mich zu kam, wollte ich eigentlich gerade eher eine Tischtennis-Manga-Saga schreiben. Ist es ja dann auch irgendwie geworden. Man muss schon etwas selbst erleben, wenn man über die Leidenschaft berichten will.

Fahnenappell-Szene aus Kinderland von mawil

Fahnenappell-Szene aus Kinderland von mawil

Jens: Du warst doch sicherlich auch Jungpionier? Die Szene mit dem Fahnenappell kennt wohl jeder aus der DDR-Zeit und der Schulzeit. Wie war Dein Verhältnis zur Kirche, kann man dieses von Deinem Protagonisten „Mürgo“ ableiten?

MAWIL: Die Kirche war auf jeden Fall ein Ort, an dem man damals interessante Leute getroffen und sich auch in fremden Gemeinden schneller wohl gefühlt hat, als auf einem fremden Schulhof. Ich bin da durch meine Eltern reingeboren, wurde aber auch zu den Jungpionieren gesteckt. Sicherheitshalber.

Berliner Mauer - Szene aus mawils Kinderland

Berliner Mauer-Szene aus mawils Comic Kinderland

Jens: Warst Du selbst im Gruppenrat tätig? Ich gestehe, ich war sehr oft „Wandzeitungsredakteur“. Was bedeutete damals für Dich Jungpionier zu sein?

MAWIL: Ich hab mich so mitschleifen lassen vom Kollektiv. Es war halt lästige Pflicht, eine langwierige Zeremonie mehr neben den sonntäglichen Gottesdienstbesuchen. Kinder kann man mit sowas nicht begeistern. Quatschmachen mit den anderen Kids, vorher und nachher, war das einzig Lohnende.

Jens: Ist die Gruppenratsvorsitzende „Angela Werkel“ zufällig eine Anspielung auf die Kanzlerin?

MAWIL: Was? Nein! Das ist reiner Zufall, dass die so heißt. Wie kommst du denn darauf?

Kinderland Diskcoszene

Diskoszene 80er Jahre

Jens: Was haben die Winnetou-Filme für Dich bedeutet? Da gibt es ja auch eine ganze Doppelseite zu diesem Thema in Deinem Buch, die letztlich auch grundlegend entscheidend für das Ende des Buches – für „Kinderland“ –  und letztlich das Ende der DDR ist.

MAWIL: Die Indianer waren die Helden der DDR. Eine großartige Gelegenheit Westernfilme zu zeigen und zu drehen, denn da ging‘s es ja im Prinzip auch um den Kampf des Volkes gegen den Imperialismus oder wie man das erklärt hat. Außenseiter, Verlierer und Underdogs gingen immer. Egal, ob das nun Alfons Zitterbacke, Che Guevara oder die Olsenbande waren.

FKK-Szene Kinderland von mawil

FKK-Szene Kinderland von mawil

Jens: Wie schon erwähnt, erinnern viele Szenen und vor allem auch Gegenstände in den Bildern an die Zeit vor dem Mauerfall wie zum Beispiel die FKK-Szene oder die Kaubelei zur Tischtenniskelle aus dem Westen oder Honecker-Bild in der Schule, der ASV-Anzug bei Herrn Plagwitz, HO, Muttiheft oder das Magazin Sputnik unter dem Arm von Herrn Maiwald, u.v.a.
Kanntest Du dies alles auch selbst oder hast Du diese Szenen und Symbole als Stereotype für die Zone einfach in den Roman mit aufgenommen?

MAWIL: Ich hätte am liebsten noch viel mehr aufgenommen und hab jahrelang Ideen gesammelt, Sachen die mich sicher in meiner Kindheit geprägt haben, aber irgendwann passte nichts mehr rein. Das Ganze sollte ja nicht nur ein Abfeiern von Wiedererkennungen sein, sondern auch noch ein bisschen Geschichte und Drama beinhalten.

HO Kaufhallen-Szene aus Kinderland mawil

HO Kaufhallen-Szene aus Kinderland von mawil

Jens: Wie waren Deine Eindrücke, als Du zum ersten Mal im „Goldenen Westen“ warst?

MAWIL: Das kann man, glaube ich, ganz gut in dem Buch sehen. Das ist ja insgesamt vielleicht nur zu 30 % autobiografisch, aber die Mauerfallszene ist so ziemlich 1:1, wie es unserer Familie damals erging.

Im Westen Kinderland-Szene von mawil

Im Westen Kinderland-Szene von mawil

Jens: Wie lange brauchst Du für eine Seite bzw. Doppelseite? Und wie lange hast Du für „Kinderland“ gebraucht?

MAWIL: Normalerweise zeichnet man an einer Seite (Schwarz-Weiß-Zeichnung plus Ausmalen) einen Tag. Das Ausdenken davor lässt sich dagegen schwer planen. Ganz lange dauern Entscheidungen, die gefällt werden müssen. Da hat man immer Angst, die falschen zu treffen und dann womöglich 50 Seiten umsonst gezeichnet zu haben. Und wenn man von vorneherein weiß, dass es ein langes Buch wird, welches ganz lange dauern wird und es keinen Unterschied macht, ob man nun heute oder morgen damit anfängt, dann dauert es noch viel länger, als man eigentlich dachte, dass es lange dauert. So zum Beispiel bei Kinderland – 6 Jahre.

Jens: Ich danke Dir für das Interview und noch viel Erfolg bei Deinen weiteren Projekten.

MAWIL: Danke auch!

Den Comic Kinderland gibt es hier.

Weitere interessante Interviews auf diesem Blog:

Fragen an Trommelfloh – Interview mit Kinderliedermacher Maxim Wartenberg

Alle Interviews auf Der Tausendfüßler

(Bilder: Vielen Dank, MAWIL!)



ZITAT zum Thema Wirtschaft und Geschäfte machen aus Karel Čapek „Der Krieg mit den Molchen“

Aus dem Roman von Karel Čapek „Der Krieg mit den Molchen“

Der Krieg mit den Molchen von Karel Capek

Der Krieg mit den Molchen von Karel Capek

„[…] (Sie reden davon wie von einem Roman!) ‚Ja, meine Herren Sie haben recht. Mich fesselt das Geschäft wie ein Künstler. Ohne eine gewisse Kunst, mein Herr, werden Sie nie etwas Neues erfinden. Wir müssen Dichter sein, wenn wir die Welt in Gang halten wollen.‘ […]“

(Aus der Auflage des Verlages: Verlag Dr. Rolf Passer, Wien 1937, Seite 131)

Weitere Zitate auf diesem Blog:



Germany 2064 – Martin Walker auf der Shortlist zum Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2015

Mit „Germany 2064 – Ein Zukunftsthriller“ in der Übersetzung von Michael Windgassen ist erstmals ein Roman für den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2015 nominiert.

Der Bestsellerautor Martin Walker, bekannt durch die Bruno-Krimi-Reihe, die im wunderschönen Périgord in Frankreich spielt, ist nunmehr für die Shortlist zum Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2015 mit aufgestellt. Im Rahmen seiner Lesung zum neuen Bruno-Roman „Provokateure“ stellte Martin Walker in der Thalia Buchhandlung Berlin/Hallen Am Borsigturm am 5. Oktober auch seinen neuen Zukunftsthriller „Germany 2064“ vor. Walker war sichtlich erfreut und stolz darauf auf der Shortlist zu stehen. Es sei eine Ehre für ihn und er betonte das Außergewöhnliche an der Nominierung: Zum ersten Mal ist ein Roman mit von der Partie!

Bestsellerautor Martin Walker mit Germany 2064 / Deutschland 2064

Wer Martin Walker kennt, weiß, dass er Historiker, politischer Journalist und Schriftsteller in einer Person ist. Als Historiker schmückt er fabelhaft-interessant die Bruno-Romane mit historischen Fakten und der Leser lernt sehr viel über die geschichtliche Vergangenheit in Frankreich sowie die Welt in Frankreich selbst kennen. Bei seinen Büchern kann davon ausgegangen werden, dass er hier im Vorfeld fundiert recherchiert hat und dem Leser bei jeder Geschichte auch immer Wissenswertes mit auf dem Weg gibt. In der Geschichte selbst sind diese Nuancen keineswegs langatmig oder gar langweilig!

Durch seine Beteiligung an der Initiative „Deutschland 2064 – die Welt unserer Kinder“ (ein Projekt mit der Deutschen Regierung zu Fragen der Infrastruktur, Bildung und Investitionen in 50 bis 60 Jahren) ist Martin Walker auf die Idee gekommen einen Roman über diese Zeit zu schreiben. Inspiriert wurde er durch die vielen Seminare zu Themen wie Demografie und Arbeit in der Zukunft. „Ich wollte dann gern einen Roman dazu schreiben“, erklärte Martin Walker auf der Lesung in Berlin.

 

Martin Walker Germany 2064 - Ein Zukunftsthriller

Germany 2064 – Ein Zukunftsthriller von Martin Walker

Der Deutsche Wirtschaftsbuchpreis

Zum 9. Mal wird vom „Handelsblatt“ gemeinsam mit der Investmentbank Goldman Sachs auf der Frankfurter Buchmesse der Deutsche Wirtschaftsbuchpreis auslobt. Eine Ehrung erfährt derjenige AutorIN, der das Thema Wirtschaft in beispielhafter Weise vermitteln kann. Dabei wird auf die verständliche Sprache geachtet und das ökonomische Zusammenhänge für ein breites Publikum nahe gebracht wird. Dotiert ist die Auszeichnung mit einem Betrag von 10.000 Euro. Das diesjährige Motto lautet: „Wirtschaft verstehen“. Der Sieger wird am 15. Oktober im Rahmen der Frankfurter Buchmesse gekürt.

Es bleibt spannend! Wir werden sehen, ob Martin Walkers Roman „Germany 2064“ schon in Deutschland 2015 den Preis erhält. Es wäre eine Sensation, die dem Autor zu gönnen ist.

Roman Germany 2064 von Martin Walker

Germany 2064 – Signatur Martin Walker

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