Der Tausendfüßler – Das Blog zum Roman


Artikel auf Hauptstadtstudio: Über den Film „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“

© Buena Vista International

Groupies bleiben nicht zum Frühstück – “Berlin Mitte” lebt!

Groupies bleiben nicht zum Frühstück! Ist das so? Der Titel lässt erahnen, auch wenn es Usus ist das – Groupies nicht zum Frühstück bleiben –, dass hier in diesem Film von Regisseur Marc Rothemund mit dem knallharten Groupie-Regelwerk gebrochen wird. Warum auch nicht?

Seit Wochen läuft dieser Kinofilm auf der Leinwand der hiesigen Kinos und ist im wahrsten Sinne des Wortes ein wahrer, ein waschechter Berliner. Die Handlung des Teenie-Liebes-Filmes spielt in der Hauptstadt und der Zuschauer, der sich in Berlin auskennt, wird in so mancher Szene bekannte Plätze, Straßenzüge und Lokalitäten wieder entdecken. Eben auch viel aus Berlin Mitte und den Anrainerbezirken.

“Berlin Mitte” – Band oder Bezirksname oder beides?

Um „Berlin Mitte“ handelt auch dieser Liebesfilm. Eine Band mit dem Sänger Chriz, gespielt von Kostja Ullmann, die seit einiger Zeit in Deutschland ziemlich angesagt ist. Rockige Musik, kreischende und ohnmächtige Mädchen, permanenter Medienrummel, das ist die Welt in der sich die Band „Berlin Mitte“ befindet und auf der Erfolgswelle schielen sie nach Übersee. Keine Zeitung, kein Fernsehsender, der nicht davon berichtet, kein Teenie, der nicht infiziert ist. Nur Lila Lorenz, gespielt von Anna Fischer, hat von all dem nichts mitbekommen. Sie kommt nach einem Austauschjahr zurück nach Deutschland und trifft per Zufall auf den hübschen Chriz in einer quirlig-komischen Szene, bei der man liebend gern zuschaut. Der Zuschauer genießt die Atmosphäre sowie die Dialoge, in der sich Superstar und “Aschenputtel” annähern. Dass daraus mehr wird und so manch verquickte und herzerweichende Situation noch folgen muss, ist wohl jedem unweigerlich klar. Lila und Chriz – sie sind ein schönes Paar und es ist ein Märchen. Ein modernes Märchen und es gibt sie wieder, diese unterschiedlichen Welten, aber auch die Aura von einer Seele. Nämlich die der Liebe, jene Seele der Herzen zweier Teenager, die sich kennen und lieben lernen. Es ist einfach nur zum Schießen und drollig anzusehen, wie beide bei der Reederei Riedel versuchen ein Ticket zu lösen. Berliner und Nicht-Berliner, die schon mal ein oder zwei Spreefahrten unternommen haben, kennen sicher die ein oder andere Reederei und wahrscheinlich auch die Rederei Riedel. Den Spruch „Touris, das ist Berlin.“, der von Lilas Lippen kommt, als beide sich auf dem Schiff kennen lernen, wird wohl fast jeder unterschreiben können.  Das es in diesem Fall keine Touris, sondern Groupies waren, ist Lila bis dato noch nicht klar. Dem Kinofilm „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“ ist es gelungen, aus einem Teenager-Film ein Liebesfilm für Erwachsene zu machen. Abwechslungsreiche Dialoge und die verzwickt-verstrickte Handlung mit wundervollen Zufällen lassen den Zuschauer mit jeder Minute tiefer eintauchen und mitfühlen.

Die Filmmusik von “Groupies bleiben nicht zum Frühstück”

Die Musik der fiktiven Band „Berlin Mitte“, die ausgewählte Filmmusik, untermalt die flippe Geschichte von Lila und Chriz. Dabei ist die musikalische Interpretation von Anna Fischer (Lila) und Kostja Ullmann (Chriz) des Songs „Stumblin’ In“ (im Original von Suzi Quatro & Chris Norman 1978) einfach ein Ohrenschmaus. In den Genuss kommt der Zuschauer jedoch erst am Ende des Films. Dafür wird dieser mit dem Lied „Nicht ohne Dich“ eine Liebeserklärung von Chriz an Lila mitten im Film und einem echt rockigen Lied am Anfang („Battlefield“ im Vorspann) belohnt. Das sind unbestritten die musikalischen High-Lights des Films „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“.

Tohuwabohu der Liebe in Berlin

Auch wenn Lila durch ihr Informationsdefizit in der Angelegenheit „Berlin Mitte“ wie eine Landpomeranze wirkt, so weiß sie doch wo ihr Herz hingehört und ist in dieser Angelegenheit eine wahrhaftige Großstadtpflanze Berlins; früher oder später. Es ist spannend, herzerweichend und amüsant den Handlungen der Protagonisten zu folgen. Dabei tun die Mühlen der Medien sowie die Intrigen der neidischen Fans ihr übriges, um das Tohuwabohu komplett zu machen und die Liebe in Gestalt von Lila und Chriz in arge Bedrängnis zu bringen. Der Kinofilm „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“ zeigt Berlin wie es ist. Ob Berlin Mitte, Schöneberg oder das Ritz am Potsdamer Platz, die Stadt ist in diesem Film präsent. Chriz und Lila das ist eine echt feingestrickte Story: Er ist ein Star, sie ist Cinderella, das Mädchen von nebenan. Ohne Frage, das ist ein alter Hut, dieser aber in einer neuen Variante, bei der sich der Kinobesuch in jedem Fall lohnt. Der Film hat jedoch noch einiges mehr zu bieten, an Lachmuskel-Power, Berliner Szenerie und den Irrungen und Wirrungen der Liebe.

Hinweis: Wer diesen Film noch auf Kinoleinwand sehen und als Berliner mitten drin im Groupie-Geschehen sein möchte, der muss sich sputen, denn in nur wenigen Kinos wird dieser „Berlin-Mitte“-Film noch gespielt. Ansonsten heißt es nur, warten bis die DVD heraus kommt oder das Fernsehen den Film zeigt.

(Den Artikel – Groupies bleiben nicht zum Frühstück – „Berlin Mitte“ lebt! – gab es zu lesen auf hauptstadtstudio.com.)



Ein Bericht über die Hafenbar Berlin auf hauptstatstudio.com: Karaoke mit Junggesellinnen und Alexandra Maria Lara

Hafenbar Berlin: Karaoke mit Junggesellinnen und Alexandra Maria Lara

© Hafenbar-Berlin.de

„Männers! Heute ist euer Glückstag“, meinte der Türsteher. Nichts ahnend was uns an diesem Abend noch erwarten würde, standen wir zu zweit vor der berühmt berüchtigten Hafenbar Berlin. Einem Club in Berlin Mitte, bekannt durch seine Schlager-Party „Stimmen in Aspik“ an jedem Freitag.

„Da oben sind gerade mal 2 Männer anwesend und ca. 70 Frauen.“ „Du willst uns doch verklappsen“, meinte ich ungläubig. „Das ist kein Witz. Mit euch wären es vier. Du kannst gern nach oben gehen, dich umschauen und mir dann sagen, dass ich Recht habe.“ „Okay“, sagte ich und konnte  mein verblüfftes Gesicht nicht mehr verbergen. Vor uns hatten gerade ca. 10 hübsche Frauen am Eingang Einlass bekommen. Alle mit nahezu demselben T-Shirt, die elfte fiel nur durch ein Extra-Accessoire auf; nämlich einem Schleier. Die Damen feierten Junggesellenabschied. Oh Verzeihung! In diesem Fall heißt es ja: Junggesellinnenabschied.

„Am vergangen Samstag gab es ein Jungesellinnen-Abschieds Massaker in der Hafenbar. Wir zählten zum Schluss 6 Bräute mit Anhang. Auf einen Mann in der Hafenbar kamen zeitweise 12 Frauen. Was für eine traumhafte Quote!!!“ (Zitat: hafenbar-berlin.de )

Im Himmel der Hafenbar – Karaoke mit Joe Hatchiban von Bearpit Karaoke aus dem Mauerpark

Der Türsteher sollte wirklich Recht behalten. Die Treppen kurzerhand nach oben gestiegen, hörten wir schon eine Damengruppe, die einen Karaoke-Song performte. Für’s erste sah man(n) überall nur Frauen. Das sollte auch eine ganze Weile so bleiben. Zwei-drei größere Grüppchen waren definitiv zum Junggesellinnenabschied in der Hafenbar. In Berlin sieht man häufig diverse Grüppchen von Männern oder Frauen, die im Tross durch Berlin ziehen. Froh und heiter verkünden sie, dass sich nun EINER oder EINE von ihnen unter die Haube bzw. den Pantoffel begibt. Es scheint Institution zu sein, dass viele von ihnen den Abend im Berliner Club Hafenbar beginnen oder da irgendwann zur richtigen Stunde einkehren bzw. den Abend einfach feucht fröhlich feiernd mit den anderen Gästen verbringen. Das dann, bis zum Zapfenstreich; meist gegen 5 Uhr. Gastgeber der Karaoke an jenem Abend war der in Berlin bekannte Joe Hatchiban von Bearpit Karaoke aus dem Mauerpark. Zusammen im Wechsel mit dem „Fabulösen Fabian“ präsentieren beide jeden Samstag ab 21 Uhr Karaoke. Ein „Warm Up für die Partynacht“, wie es auf der Homepage der Hafenbar heißt. Interessant ist, dass die Songs live per Internet von TalentRun geladen werden. Ein Video wird dabei in Echtzeit ebenfalls auf TalentRun gespeichert. Sollte es der SängerIN wünschen, wird die Kamera selbstverständlich abgeschaltet. Die Junggesellinnen an jenem Samstagabend – einem Abend zur WM-Zeit 2010 – konnten dabei aus 1900 internationalen und deutschen Titeln wählen. Karaoke-Damenwahl! Und die Damenauswahl an diesem Abend konnte sich phänomenal sehen lassen.

Alexandra Maria Lara performt zu Amy Winehouse

Natürlich kann der Leser dieses Berichtes die Aussage von „Damenwahl“ jetzt eindeutig-zweideutig interpretieren. Ob wir vier Männer während des Karoke-Status-Quo die Damenwahl hatten oder die Damen die Auswahl aus den Liedern bzw. der wenigen anwesenden Männer; ein Fest für die Sinne war es allemal. Es war einfach nur himmlisch, um nicht erneut die Hafenbar zu zitieren: Es war „ein Jungesellinnen-Abschieds Massaker.“ 6 Bräute mit Anhang wurden laut Hafenbar gezählt. In einem der Gefolge entdeckten wir überraschend die Schauspielerin Alexandra Maria Lara bekannt aus Filmen wie „Der Fischer und seine Frau“, „Nackt“ oder dem Film – und der Titel völlig passend zum Flair der Hafenbar – „Vom Suchen und Finden der Liebe“. Es wurde gemurmelt und gemunkelt und dann hatte es sich bestätigt. Sie ist es. „Gutes Double oder ist sie es wirklich“, hatte ich die ganze Zeit im Kopf gehabt, doch irgendwann war es Fakt. Sie ist es – wirklich. Von Starallüren keine Spur feierte sie wie alle anderen und mit allen anderen den Karaoke-Abend in der Hafenbar. Die verschiedenen Junggesellinnengruppen lieferten sich eine hören- und sehenswerte Sängerschlacht nach der anderen. Die Stimmung war am Kochen. Vor allem dann, als eine der Damengruppen zu ABBA’s “Waterloo” eine kleine Choreografie hinlegte, die die Stimmung im Raum und die Partygemüter so richtig nach oben katapultierte. Wer das gesehen hat, „wird diese Nacht nicht so schnell vergessen“, ist ebenfalls auf der Homepage des Clubs zu lesen. Wie wahr. Viva – es lebe die Hafenbar! Der Saal füllte sich immer mehr und überraschenderweise kamen immer noch, immer mehr Damen in den Club. Ein durchaus perplexes Grinsen konnte man mir sicherlich ansehen. Warum auch nicht? Die Hafenbar ist ja bekannt für eine lockere und freundliche Atmosphäre sowie einem doch gerechten Männer-Frauen-Anteil. Doch zu Zeiten der Fußball-Welstmeisterschaft und weil der Sommer wieder einmal zum Heiraten einlädt, kann es schon einmal zu Verschiebungen im Hafenbar-Raum-Zeit-Kontinum kommen.

Junggesellinnenabschied – „Let’s dance“ der Herzen bis in den Morgen

Zur Beruhigung aller sich bis hierher eingelesenen Neider, kann ich sagen, dass nach und nach auch immer mehr Männer den Weg in die Hafenbar fanden. Als gegen 24 Uhr dann der Tanz eingeläutet wurde, pendelte sich die Wage der Männer-Frauen-Gerechtigkeitsquote wieder zusehends auf annäherndes Normalniveau ein. Die Junggesellinnen feierten mit allen anderen Besuchern der Hafenbar wie es sich gehörte, nämlich laut mitsingend; das dann auf wie auch neben der Tanzfläche. Die Musik an einem Samstagabend setzt sich dabei aus  Liedern der 50er, 60er, 70er, 80er, 90er, 00er und 10er Hits zusammen. Da wird stets laut mitgesungen; vor allem die Junggesellinnen können dann schon mal zu einem wild schreienden Chor mutieren. „Die heiraten als gäbe es nächstes Jahr ein Gesetz, das verbietet zu heiraten“, sagte mir Helga Schmidt mit einem Lächeln. Helga, dass ist die nette Dame, deren Revier sich zwischen Raucherlounge und Treppenaufgang erstreckt. Sie passt auf, dass alles seinen rechten Gang innerhalb des Sanitärbereiches geht. Wer mehr als zwei Mal da war, kennt sie. Sie gehört irgendwie zum Inventar und alle lieben sie. Sie hat für alles ein offenes Ohr und kennt so manche Flirt-Anekdote. Und geflirtet wird in der Hafenbar immer. Denn hier in der Hafenbar werden die Damen noch zum Tanz aufgefordert. Egal wie perfekt oder verquert der Discofox aussieht – egal Hauptsache Mann & Frau tanzen miteinander und lächeln sich zu. Spontane Knutschaktionen nicht ausgeschlossen. Daher mag so manch eine Romanze hier begonnen haben. Erst die Nummer ausgetauscht und dann Tage später verabredet. Die Quintessenz dieser Handlungen sind möglicherweise eben jene Damen auf eben diesen so typischen Berliner Junggesellinnenabschieden. Am Ende blieb mir nichts andres übrig als dem Türsteher im Vorbeigehen zu sagen: „Du hast Recht gehabt. Super Party und ich komme wieder.“

Den Bericht „Hafenbar Berlin: Karaoke mit Junggesellinnen und Alexandra Maria Lara“ gibt es auch zu lesen auf hauptstadtstudio.com.

Bild: Alexandra Maria Lara singt in der Hafenbar Karaoke (Quelle: hafenbar-berlin.de)

Weitere interessante Infos über den Berliner Club Hafenbar Berlin (Video-Beiträge):

Video über die Hafenbar auf SpiegelOnline 20.02.2010

Video über die Hafenbar auf Bild.de 06.12.2007



Kolumne auf hauptstadtstudio.com vom 21. Juni 2010: Die Großstadt ist voller Liebe

Berlin ist voller Gedanken und die Gedanken sind voller Liebe

Kolumne Hauptstadtstudio

© Hauptstadtstudio

Hört ihr auch, wie ich, die Großstadt mit all ihren Stimmen? Hört ihr sie oder seht ihr sogar, die Gedanken, die sich säuselnd formieren und zu einer lieblichen Stimme im Großstadtherzen werden? Berlin ist voll davon, … voll  von Stimmen, voll von jenen Gedanken, die sich von den Balkonen, von den Strandbars, von den Restaurants in den einzelnen Bezirken, von den einsamen Spaziergängern an der Spree oder aus irgendeiner Badewanne oder gar von der heimischen Couch formieren zum Flug. Voll von jenen menschlichen Gedanken, die in den Clubs allein oder zu zweit an der Bar stehen und Ausschau halten; auf ein Lächeln bevor sie weiter ziehen. Es sind Gedanken mit nur einem Ziel. Nach einer Weile immer gen Himmel fliegen und nach und nach auf weitere gleich gesinnte Gedanken stoßen. Da treffen sich der Gedanke einer Dame oder eines Herren, beide schieben still auf der Torstraße den Kinderwagen vor sich her oder einfach ein kleiner unverhoffter Gedanke von einer Person in der Warteschlange einer Kasse im Kaisers. Sie fliegen aus den Köpfen, aus der Wohnung, aus den Drehtüren des Hauptbahnhofs oder entschwirren nur so nebenbei so manchem Fahrradfahrer, der gerade am Hackeschen Markt vorbeifährt Richtung Friedrichshain. Gedanken nicht nur in Mitte, auch am Rand von Berlin, im Norden, im Süden, im Osten und Westen. Gedanken an jeder x-beliebigen Stelle mit nur einem Ziel, da hinzuziehen, wo die Großstadt voller Liebe ist. Wo ist das eigentlich? Sie ziehen über die Spree, drehen noch eine Runde um die Goldelse, irren vielleicht auch kurz durch die Hackeschen Höfe, schlängeln sich für eine Weile im Wirbel um den Fernsehturm und dann ahnungslos weiter durch den Tiergarten, bis sie da angelangen, wo Berlin voller Liebe und Hoffnung ist, da wo Berlin jeden einzelnen Gedanken anzieht wie einen Magneten.

Christopher Street Day 2010 in Berlin ohne Regenschirm

Zurücklehnen und „Rosenstolz“ – Liebe ist alles – hören, den Rest der Tasse Tee schlürfen. Das ist Berlin. Dabei wissen, dass da draußen jemand ist, der denselben Gedanken gerade hat und den man möglicherweise morgen am Alexanderplatz oder auf der Rolltreppe der S-Bahnstation Friedrichstraße trifft. Nur, und das ist ja das tragische an der Großstadt, die so voller Liebe ist, niemand weiß es genau, dass der- oder diejenige, die gerade in der S-Bahn Richtung Spandau neben einem sitzt, gestern den gleichen Gedanken von Liebe auf Berlin los gelassen hat. Hmmm, … und daraus entsteht ein ungewolltes kleines Durcheinander von „Kommen und Gehen“. Es trübt leicht die Intensität des reinen Gedanken innerhalb des liebevollen Augenblicks, der da von einem von dannen zieht. Der Mut für einen anderen Menschen das Herz zu öffnen verliert sich – zusehend. Ist das so? Großes Fragezeichen.  … Am Wochenende vielleicht noch auf dem Christopher Street Day gewesen, wo die Gedanken vereinter oder unvereinter nur so davon folgen – weit und breit – kein Regenschirm in Sicht gewesen oder gar bei der Ü-30-Party im Club Goya Berlin. Egal wo, neben all dem Spaß, den wundervollen Eindrücken und der Hoffnung doch jemanden in die Augen zu blicken und ein Lächeln zu erhalten, welches alles im jetzigen Leben verändert, scheitert es oft daran, dass wir uns unter einem Regenschirm verstecken. Oh ja, einem richtigen oder einem imaginären Regenschirm. Regenschirm bleibt Regenschirm. Warum tragen wir einen Regenschirm mit uns? Sei es, weil wir wieder neuen Mut brauchen, weil gerade jemand gegangen ist. Sei es die Zeit, die wir brauchen, um zu erkennen, dass wir nicht allein sind in dieser großen Stadt – mitten in Berlin. Wer wird kommen und einen da treffen, wo die Gedanken längst verweilen? Wichtig ist es an die Liebe zu glauben und den Regenschirm auch mal in der Tasche zu lassen und nicht aufzuspannen; denn er nimmt uns die Sicht. Die Sicht nach oben.

… wundert sich über die Liebe

Zurücklehnen und „Element of Crime“, den Titelsong zum Film „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“ hören und noch einmal tief durchatmen mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen, das wieder einem ernsten Gedanken und einem sehnenden Blick in den Berliner Abendhimmel weichen muss. Gedanken kommen und gehen, andere Dinge schieben sich in den Vordergrund und werden wichtiger. Doch der eine Gedanke, der da gen Himmel zieht, bleibt trotzdem lebendig und kommt immer wieder zurück. Leider … und es ist nur all zu wahr … kommen und gehen die Menschen im Namen der Liebe. Doch wie heißt es so schön: Wen man geht, kommt man irgendwo an. All diese Gedanken, von den Menschen, die diese Großstadt – unser gemeinsames Berlin – bewohnen, beleben, leiden, lachen und in ihr lieben… all ihre Gedanken treffen sich am Firmament des Berliner Himmels, genau in der Mitte und bilden eine unsichtbare Wolke geschaffen von einer Großstadt voller Liebe. In der die Menschen sich wünschen einen Partner zu haben, den sie auf gleicher Augenhöhe lieben können und von dem sie genauso geliebt werden; völlig egal wer wen liebt – Mann liebt Frau, Mann liebt Mann, Frau liebt Mann, Frau liebt Frau und ein jeder kann sagen: Ich liebe Dich. Alle Gedanken finden sich da oben am Berliner Himmel zusammen und ergeben eine reine Essenz von Sehnsucht, Leidenschaft und einer Portion Glück; Glück,  das der ein oder die andere längst erfahren hat. Die wundervollen Gedanken verbinden sich mit den Wolken und wenn es regnet, dann regnet die Liebe auf unsere Stadt und trifft die Menschen wie der Pfeil Amors. Nur darf „Mann“ und „Frau“, während es regnet, sich eben nicht unter einem Regenschirm verstecken. Niemand muss sich hier verstecken! Denn für alle sind genügend Gedanken in einer Großstadt voller Liebe vorhanden. Hört ihr sie? Hört ihr auch, wie ich, die Großstadt mit all ihren Stimmen? – Es lebe und liebe Berlin und ich höre mir noch ein Lied an.

(Kolumne „Die Großstadt ist voller Liebe“ ehmals auf hauptstadtstudio.com)



Rezension: Gut gegen Nordwind – Das Theaterstück in der Komödie am Kurfürstendamm mit Tanja Wedhorn und Oliver Mommsen

„Gut gegen Nordwind“ in der Komödie am Kurfürstendamm

Gut gegen Nordwind - Komödie am Kurfürstendamm

Gut gegen Nordwind

Gut gegen Nordwind – Die Liebe kommt mit dem Nordwind

Gut gegen Nordwind - Tanja Wedhorn und Oliver Mommsen

Gut gegen Nordwind

Die Liebe kommt mit dem Nordwind. Auch wenn es nicht direkt der Nordwind ist, der Emmi Rothner das Gefühl der Liebe gibt, so ist es eher die Sehnsucht nach ihr. Jene Sehnsucht nach dem Gefühl der Nähe, nach Zweisamkeit, nach Geborgenheit, nach Zukunft, eben nach alldem was gut tut. Es ist die Sehnsucht vor allem nach einem ganz bestimmten Mann: Leo Leike. Leo Leike ist ihr virtueller E-Mail-Partnter. Mit ihm verbindet Emmi etwas ganz Besonderes. Mit ihm hat sie eine derart starke geistige Verbundenheit, die ihre Gefühle voll und ganz in Beschlag nimmt und damit einhergehend ihr Denken, ihr Handeln, letztendlich ihren Alltag bestimmt. Keine Frage. Es geht schließlich soweit, dass daraus Liebe erwächst, denn es fühlt sich für Emmi gut an Leos Zeilen zu lesen. Und der Spiegel, der funktioniert natürlich, denn umgedreht ist es nicht anders. Leo fühlt wie Emmi. Eine neue Liebe ist emporgestiegen. Was kann daran falsch sein? Eigentlich nichts. Das Crux ist nur das sich Emmi schon in einer Partnerschaft befindet. Demzufolge ist sie wie hin und her gerissen.

Internetbekanntschaften – Die Liebe im Netz finden …

„… also dass gibt es doch nicht wirklich oder? Das geht doch nicht, das ist doch viel zu plump! Das ist nicht real, umständlich ist dass und … irgendwie auch nicht natürlich!“ Doch! Liebe im Netz gibt es. Primär natürlich die Suche und sie ist längst schon zu einem ganz normalen Bestandteil unserer Welt geworden. Über das Internet lernen sich in der heutigen Zeit viele Menschen kennen und kommen sich durchaus näher. Es ist die viel diskutierte -Virtualität-, die den Menschen nicht natürlich erscheint. Dem einem ist es gänzlich suspekt die Liebe über das Netz zu finden, dem anderen hingegen sind die Portale im Netz zeitgemäße Plattformen, um der Liebe, dem eigenen Glück auf die Sprünge zu helfen. Ein Sprungbrett hin zum eigenen Traumpartner. Emmi Rothner ist nun jetzt nicht gerade auf der Suche nach ihrem Traummann. Eher ist es eine Verwechslung der E-Mail-Adresse, die sie an Herrn Leo Leike geraten lässt. Aber irgendwie hat die sich darauf folgende Entwicklung einer doch süchtig machenden E-Mail-Korrespondenz unweigerlich auch den Hauch einer wie oben erwähnten Internetbekanntschaft. Es ist und bleibt eine Suche, ein persönliches Ersehnen nach dem Glück den richtigen Menschen auf der anderen Seite des Bildschirmes vorzufinden. Damit verbunden, tritt hier die ganze Palette menschlicher Gefühle zu Tage.  Das spielerischen Techtelmechtel von Frau und Mann nimmt wie eh und je seinen Lauf. All das, wenn „Er“ und „Sie“ sich eben kennen lernen. Im Theaterstück „Gut gegen Nordwind“ zeigt sich wie eng Wirklichkeit und digitale Welt miteinander verwoben sind. Es sind letztendlich Menschen, die hinter den Buchstaben der digitalen Welt stecken. Somit ist die erwähnte Virtualität nicht das Gegenstück zur Realität, sondern eher ein Teil dieser unserer aller Realität: PARS PRO TOTO – Ein Teil steht für das Ganze. Glattauers Roman ist ein hochmoderner digitaler Briefwechsel mit altbekannten Facetten und neuen Nuancen. Die beiden Protagonisten, Emmi Rothner und Leo Leike, bekommen sich zwar nicht zu Gesicht, lernen sich jedoch mit der Zeit immer näher kennen; eben virtuell. Es sind nur Buchstaben, Wörter und Texte, die von A nach B versendet werden. Doch „Am Anfang“ steht nun mal immer das Wörtchen „Am“ und eine Geschichte nimmt ihren Lauf.

Das Theaterstück in der Komödie am Kurfürstendamm

Als Zuschauer des Theaterstücks ist man im Vorfeld der Aufführung sehr gespannt. Kann ein Theaterstück überhaupt den Bestseller “Gut gegen Nordwind” von Glattauer darstellen? Kann es dem Text überhaupt gerecht werden? Wer das Buch von Daniel Glattauer gelesen hat, fragt sich dies zu Recht. „Gut gegen Nordwind“ lief bis 4. April 2010 in der Komödie am Kurfürstendamm und konnte sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen. Die Umsetzung von Glattauers Bestseller gelang dem Regisseur Rüdiger Hentzschel in einer einzigartigen und herzzereißenden Art und Weise. Vor allem die Hauptdarsteller Oliver Mommsen als Leo Leike und Tanja Wedhorn als Emmi Rothner trugen zu einer sensationellen gefühlsechten Inszenierung bei. In Gestik, Mimik und Wortlaut wurden die Gefühle, die sich eigentlich nur im digitalen Briefwechsel des Buches widerspiegelten voll und ganz auf die Zuschauerplätze transportiert. Die Wörter und letzten Endes die Gefühle wurden greifbar. Als Zuschauer befand man sich mittendrin und war jederzeit bereit die Handlung selbst in die Hand zu nehmen falls den beiden irgendwann die Worte ausgegangen wären. Es wurde mit gelacht, mit gelitten und mit gefiebert. Von einer E-Mail zur anderen E-Mail bekam der Text mehr Plastizität. Er wurde greifbar und im wahrsten Sinne des Wortes „fühlbar“. Gefühlswallend akkumulierte sich das Stück zum Showdown. Stets gab es einen Kampf zwischen Verstand und Moral versus Gefühl und dem „Inneren Drang“, das Richtige zu tun. Wie immer ist es uneindeutig eindeutig, was wohl das Richtige wäre. In diesem Fall nämlich den Gefühlen Vorrang zu geben und die Virtualität endlich zu verlassen. Raus, nur raus aus der digitalen Welt. Raus mit dir Emmi, raus mit dir Leo!

Das Gefühl und immer wieder das Gefühl von einem Gefühl

Die schauspielerische Leistung beider Darsteller war brillant. Obwohl sich Emmi und Leo auf der Bühne gegenüber standen, schaffte es die Bühnengestaltung, sowie das Schauspiel beider Protagonisten, dem Zuschauer auf seinem Platz die Anonymität des Internets – die Trennung durch Nullen und Einsen – die digitale Welt treffend zu verdeutlichen. Es war eine gelungene Darstellung von „so weit weg und doch so nah“. So durchzog eine unsichtbare Wand das Spielfeld der Bühne. Alle Liebelei blieb in einem Elfenbeinturm der Sehnsucht und im jeweiligen Wohnungsquadranten von Frau Rothner und Herrn Leike eingekerkert. Wie sollte diese Sehnsucht auch frei kommen, wenn sich keiner von beiden traut auch nur einen Schritt weit weg vom Elfenbeinturm namens Bildschirm zu begeben? Die Geschichte trennte die Protagonisten zwar räumlich, aber nicht vom Gefühl her. Sie fand in der Komödie am Kurfürstendamm eine ansehnlich gemütliche Rekonstruktion in Gestalt von Leo Leikes und Emmi Rothner Wohnzimmer. Mitten auf der Bühne verlief diagonal ein Trennstrich. Auch wenn dieser während des Stücks eindeutig wahrnehmbar war und Emmi Rothner und Leo Leike in ihre jeweiligen Grenzen verwies, so gab es jedoch keine Grenzen ihrer unzertrennlichen und sehnsüchtigen Liebe im Geiste. Denn die war irgendwann nur all zu sehr präsent und hatte sich manifestiert. Der Trennstrich jedoch war ein gelungenes Symbol für die im Roman vorhandene Virtualität und Trennung durch den digitalen Briefwechsel. Emmi und Leo schauten sich während der ganzen Vorstellung nicht einmal in die Augen. „Leo, warum gehst Du nicht einfach rüber und sagst ‚Hallo’, mach es dir doch nicht so schwer“, war der Wunsch, der sich dem Zuschauer aufdrängte und dem man all zu gern gewähr gegeben hätte. Notfalls hätte so mancher Herrn Leo Leike oder Emmi Rothner gern einfach mal auf die andere Seite – in die Realität – hin zum Pendant geschuppst. Sollte Hinüberschupsen aber nicht helfen, kann auch gern getreten oder gezogen werden. Hauptsache der Liebe Quälerei wird ein Ende geboten. Niemand wusste schließlich, wie lange die Ewigkeit der Brautwerbung alla Minnesang, dieses ewige Hin & Her, noch zu ertragen gewesen wäre. Ein gar schmerzlicher Idealismus der Liebe, den es galt bis zum Ende auszuhalten. Natürlich wurde dieser vom Zuschauer sehr unterhaltsam ausgehalten.

Ein Theaterstück ohne Happy End?

„Gut gegen Nordwind“. Das Theaterstück sah sich nicht nur spannend an, sondern fühlte sich auch dermaßen gut an, dass der stürmische Applaus am Ende der Vorstellung voll und ganz gerechtfertigt war. Trotzdem fragt man sich am Ende: Was macht ihr da? Emmi und Leo! Was zum Teufel macht ihr beiden da nur? Nach so viel Gefühl wollen wir doch ein Happy End sehen. Doch hier holt den Zuschauer die Wirklichkeit vollends wieder ein. In jeder Sekunde, die verstrich und der Zuschauer dem Wechsel der schauspielerisch dargestellten Worte folgte, wünschte er sich natürlich nichts sehnlicher als ein Happy End herbei und Leser, die zuvor schon in den Genuss der Geschichte kamen, kannten den Schluss schon. Also hoffe man permanent und glaubte an die experimentelle Eigendynamik so mancher Inszenierung, dass alles passieren kann. Alles sollte auch passieren, nur nicht das, dass am Ende … Wo bleibt denn da die Überraschung? Leider hatte Leo Leike Recht. Nämlich, dass es nur eine virtuelle Liebe ist. Nichts Greifbares, nichts für die Ewigkeit. Real anwesend mag diese Liebe ja gewesen sein, aber nicht für die unmittelbaren Sinne. Es brauchte nur einer nicht mehr zu antworten und die Verbindung wäre für immer getrennt. „Nur keine Trennung, nur keine Trennung, lass den Server nur nicht krachen gehen oder irgendjemanden Leo Leike überfahren.“ Jederzeit war man froh, wenn einer vom anderen den Spielball wieder aufnahm, alle technischen Gerätschaften funktionierten und auch so niemand der beiden aus unerfindlichen Gründen das Gedächtnis und in Folge dessen womöglich die E-Mail-Adresse des anderen verlor. Alle moralischen Bedenken, die in den Dialogen mitschwangen, wollte man nicht wahr haben.

„Gut gegen Nordwind“ – Der Nordwind gibt die Richtung an

Es gab kein -richtig- oder -falsch- mehr. Nur ein: Lass es geschehen, es ist das richtige Gefühl. Außerdem ist doch noch nichts passiert. Eben, nicht passiert – noch nicht. Dass ein kalter Nordwind im Theater am Kurfürstendamm so herzerwärmend sein kann, hätte man im Vorfeld nun wirklich nicht gedacht. Demnach kann folgendes Prädikat vergeben werden: Sensationell kurzweilige Theateraufführung mit viel Gefühl von Daniel Glattkauers Bestseller „Gut gegen Nordwind“. Freunde des Happy Ends wurden hier leider nicht belohnt, die Belohnung eher lag darin, dass sie von der schauspielerischen Leistung permanent belohnt wurden. In jedem geschriebenen, in jedem dargestellten Wort lag die Belohnung für die Zuschauer im wahrsten Sinne im Mitfühlen, sowie den erkenntnisreichen Weg mit Emmi Rothner und Leo Leike gemeinsam zu bestreiten, was nun eigentlich „Gut gegen Nordwind“ ist. Clevererweise steht eine mögliche Gefühlsbelohnung durch ein Happy End ja noch in Aussicht. Nämlich mit Daniel Glattauers Folgeroman „Alle sieben Wellen“. Dieses dann hoffentlich auch wieder mit einer Adaption auf einer der hiesigen Theaterbühnen.

(Artikel „`Gut gegen Nordwind` in der Komödie am Kurfürstendamm“ ehemals auf hauptstadtstudio.com)

Homepage des Autors Daniel Glattauer



Reportage auf Hauptstadtstudio – Im Horrorzug nach Berlin …

Im Horrorzug nach Berlin – Mit dem Regional Express 38328 von der Leipziger Buchmesse zurück in die Hauptstadt

Ausnahmezustand im RE 38328 der Deutschen Bahn. Berliner Besucher der Leipziger Buchmesse standen zusammengedrängt in den Waggons von Lutherstadt Wittenberg bis Berlin. Viehtransportähnliche Zustände – ein Potpourri der Emotionen für den, der dabei war. Eine zweidimensionale Messereportage von Horrorgestalten auf dem Weg zur Buchmesse und einem horrorwürdigen Horrortrip im Regional Express zurück nach Berlin.

Auf Wiedersehen in Leipzig 2011

Ausnahmezustand im RE 38328 der Deutschen Bahn. Berliner Besucher der Leipziger Buchmesse standen zusammengedrängt in den Waggons von Lutherstadt Wittenberg bis Berlin. Viehtransportähnliche Zustände – ein Potpourri der Emotionen für den, der dabei war. Eine zweidimensionale Messereportage von Horrorgestalten auf dem Weg zur Buchmesse und einem horrorwürdigen Horrortrip im Regional Express zurück nach Berlin.

Warum seid Ihr so komisch geschminkt, angezogen und total verkleidet?

Es war im wahrsten Sinne des Wortes ein Horrortrip der Dienstleistung was die Berliner Wochenendbesucher der Leipziger Buchmesse 2010 am Samstagabend mit der Deutschen Bahn erfuhren. Das Wörtchen “Horror” besitzt dabei im Kontext der Buchmesse eine Doppeldeutigkeit. Denn für Besucher der diesjährigen Buchmesse, die sonst nur das steife hochintellektuelle Ambiente kennen, waren diese sonderbaren Teilnehmer ein auflockerndes Highlight. Oft wurden die Verkleideten gefragt, warum sie denn so aussehen wie sie aussehen und was das für eine Veranstaltung sei. “Buchmesse”, wurde dann kurz am Leipziger Hauptbahnhof geantwortet. Wer mehr wissen wollte hakte nach und erhielt die Antwort “… und ein Treffen aller Manga-Fans und Fans von Rollenspielen. Man trifft sich und verkleidet sich als Charakter, der man gern sein möchte oder der man als Rollenspieler in der Comunity, halt in der Gemeinde ist.” So war es nicht verwunderlich, dass sich wie auf der Hinfahrt auch auf der Heimfahrt zurück nach Berlin verkleidete Jugendliche unterschiedlichen Alters in den Zügen befanden. Schon in Berlin am Hauptbahnhof sorgten sie für optische Aufregung unter den Bahnhofsbesuchern. Darunter wahre Horrorgestalten, die konträr gegenüber den doch zarten menschlichen Manga-Figuren standen. Ein einziges interessantes Sammelsurium menschlicher Verkleidungskunst. Wer hätte gedacht, dass Rollenspiele und japanische Comics, bekannt unter dem Begriff Manga so populär geworden sind?

Leipzig war wieder Treff für die Comic- und Fantasyszene

Die Buchmesse in Leipzig mit ihren besonderen Schwerpunkt “Comics in Leipzig” zu dem die Genre Manga, Fantasy und Rollenspiel zählen, gehört zu den wichtigsten Veranstaltungen in Europa. Ganz oder nur teilweise comickünstlich überzogen verkleidet, präsentierte sich demnach so mancher Messebesucher. In erster Instanz waren diese angemalten und verkleideten Teilnehmer der erste Horrorfakt in der vorher erwähnten zweidimensionalen Betrachtung. Die hübschen und niedlichen Manga-Mädchen stehend dafür eher weniger in der Definition. Sie waren schick anzusehen. Zauberer in Roben und Uniformen, die gesichtet worden schon eher; natürlich mit viel Phantasie. Da wir jedoch von der Doppeldeutigkeit des Begriffes Horror auf der Buchmesse sprechen, müssen hier die wirklich üblen Gestalten erwähnt werden. Das waren furchtlose dahin schreitende Kämpfer, durchaus auch der ein oder andere Zauberer. Die Krönung für so manchen Besucher waren letztendlich maskentragende Unholde mit Keule oder Schwert in skurrilen bunt zusammengeschusterten Verkleidungen. Es wurden auch Axtträger gesichtet. Entweder blieb der Zuschauer fasziniert stehen oder er machte vorsichtshalber einen großen Bogen um die eine oder andere Fantasy- bzw. Horrorgestalt. Irgendwie eine ganze Reihe von Charakteren, denen man nicht im Dunklen begegnen möchte. Diese Besucher zeigten letztendlich dem verstaubten Establishment, dass man mit viel Phantasie so einiges kreieren und mit entsprechendem Know-how stylisch aufpeppen kann. Der ein oder andere Konzern beziehungsweise Verlag weiß in diesem Fall wo die Kaufkraft für seine Produkte daherkommt. Entsprechend sah der Durchschnittsmessebesucher mal mehr oder weniger professionelle Kunstwerke der Verkleidung. Obwohl völlig fremd, grüßten sich ähnliche Charaktere auf dem Weg zu den einzelnen Treffpunkten und Veranstaltungen auf der Messe. Für viele der extravaganten Messebesucher war Leipzig an diesem Tag der Fixpunkt der Phantasie, um Gleichgesinnte ihres Genres zu treffen. Diese Chance nutzten auch viele Hauptstädter.

Horrortrip mit Wochenendticket der Deutschen Bahn

Was am Ende des Tages folgte war eine fantastische und unglaubliche Horrorfahrt der Extraklasse mit der Deutschen Bahn zurück nach Berlin. Wer hätte das gedacht, dass die Berliner Besucher der Buchmesse im wahrsten Sinne die letzte der zweifache Begegnung mit diesem Genre “Unglaublich” über “völlig abgefahren” bis hin zu “der blanke Horror” noch vor sich hatten. Es bahnte sich eine mittlere bis größere Reisekatastrophe für alle Rückreisende nach Berlin an. Der Regional Express 38328 von Lutherstadt Wittenberg mit dem Ziel Berlin stand zwar pünktlich gegen 21:26 Uhr zur Abfahrt bereit, war aber schon ganz ordentlich mit Reisenden gefüllt. Als dann der Mob der Messebesucher, anders kann es fast nicht beschrieben werden, von einem Gleis zum anderen durch den Verbindungstunnel strömte, wurde der Zug mit jedem Fahrgast voller. Irgendwann platzte er förmlich aus den Nähten. Die Fahrgäste liefen von einer Waggontür zur nächsten und immer wieder gab es dasselbe Bild: Alle Plätze belegt. Fahrgäste standen oder saßen in den Gängen. An den Türen und den Eingangsbereichen drängten sich dicht an dicht Groß und Klein, Jung und Alt, Verkleidet und Unverkleidet. Es gab kaum mehr Platz für zusätzliche Fahrgäste. Selbst in der ersten Klasse wurde es zunehmend voller, bis auch diese überfüllt war.

Man muss sich in die Leute hinein versetzen, einige haben wegen zu hohem Fahrgast aufkommen schon am Morgen in den Bahnen gestanden; zum Teil die ganze Fahrt bis nach Leipzig. Nun ist so ein Messetag ist nicht unbedingt eine gemütliche Bootstour. Im Gegenteil, der Besucher möchte viel sehen, kennen lernen, sich informieren, kommunizieren, was letztendlich auch Verben wie “gehen”, “laufen”, “besichtigen”, “tragen”, “reden” und durchaus auch “eilen” impliziert. Eilen vor allem von Stand zu Stand. Für manch einen Berliner war da schon kräftemäßig der Ofen aus als der ersehnte Zug nach Hause anrollte. Den meisten Besuchern der Leipziger Buchmesse 2010 sah man gegen 18 Uhr als die Messestände einpackten die Strapaze förmlich an. Einfach nur nach Hause, lautete die Devise in den Köpfen der Menschen. Was zuvor eher optischer Natur war, aufgrund wirklich gruseliger Vertreter unter den Verkleideten, kam nun eine mit dem Regional Express einen neue Dimension.

Wochenendticket: „Dabei sein ist alles“ – Es ist kaum zu beschreiben …

Klaustrophobisch veranlagt durfte man da nicht sein. Zu den Toiletten gelangte man nur zum Teil oder überhaupt nicht. Wie auch? Es wäre eine Odyssee ohne Rückkehr gewesen. Denn wenn schon der Weg zum “Stillen Örtchen” nicht möglich ist, kommt es logischerweise erst gar nicht zu einem Rückweg. Und diesen menschensteinigen Weg, eher diese Mauer aus Menschen hätte kaum einer Bewältigen können ohne nicht mindestens einmal angenehm oder unangenehm anzuecken. Die Luft wurde immer dünner und die Gerüche derber. Da war so mancher froh, wenn sich die Türen zu seiner Seite öffneten an der er gerade gequetscht sein Zugdasein fristete. In den Waggons weiter hinten sah man vermeintliche Punks, die ihren Hunden, pferdeähnliche Geschöpfe, nach jedem Halt ebenfalls etwas Freiheit gaben. Sei es auch nur für wenige Sekunden. Bei solchen Zuständen jagt der Mensch gern seinen Hund vor die Tür.

Immer wieder gab es Diskussionen, dass es keine andere Alternative für Besitzer des Wochenendtickets gab, um nach Berlin zu gelangen. Angeblich der letzte Zug für jenes Angebot der Deutschen Bahn am Samstagabend. Die Gerüchteküche meinte sogar, dass es im letzten Jahr noch mehr Waggons bzw. zusätzliche Züge gegeben haben soll. Ob Wahrheit oder Lüge, in solcherlei Situation kochen die Emotionen der Menschen ihr eigens Süppchen und meistens viel zu hoch und letztendlich über. Es kann ihnen aber auch nicht verübelt werden. Einigermaßen glücklich durften sich jene fühlen, die einen Sitzplatz zur rechten Zeit ergattert hatten. Bei manchen saß die Liebste jedoch schon mit auf dem Schoß. Für alle anderen hieß es anderthalb Stunden stehen. Ob jung oder alt, mit oder ohne Krücke es machte keinen Unterschied. Wer nach Berlin wollte, musste in den sauren Apfel beißen und sich hinstellen, anstellen oder zum Teil an fremde Personen anlehnen. Es war ein zartes Band des kontrollierten Chaos welches drohte jederzeit zu zerreißen.

Neuer Messerekord auf der Leipziger Buchmesse 2010

Fahrgäste an den Zwischenstationen mussten weggeschickt werden. Ein junger Mann mit einem Fahrrad hatte einfach keine Chance mehr. Am Ende wurden nur noch die Stationen bis Berlin Hauptbahnhof gezählt. Andere wollten nach dem nur noch in den Berliner C-Bereich gelangen, vielleicht noch bis B? Einfach nur heraus aus dem Regional Express. Ab Berlin verließen nach und nach Fahrgäste den Zug. Das Wort “Südkreuz” war in aller Munde und stilisierte sich zu einem Mythos. Dort strömten dann die Menschen zum ersten Mal aus den Waggons. An ihren Gesichtern konnte man die Erleichterung, aber zum Teil auch Frust ablesen. Am Hauptbahnhof  angelangt, strömte dann alles aus dem Zug. „Vielen Dank für die Horrorfahrt!“ schrie einer dem Schaffner entgegen, der verhalten aus dem Fenster lugte.

156.000 Menschen besuchten dieses Jahr die Leipziger Buchmesse, erneuter Messerekord. Da ist es anzunehmen, dass es im nächsten Jahr nicht weniger werden. In diesem Fall können die Berliner nur hoffen, dass dieser Fakt bis zum nächsten Jahr irgendwie Berücksichtigung in der Planung der Deutschen Bahn findet. Sonst könnte es glatt für die Berliner Besucher der Leipziger Buchmesse 2011 ein erneutes doppeltes Revival in Tatsachen von “Horror-Fantasy” geben.

(Artikel „Im Horrorzug nach Leipzig – Mit dem Regional Express 38328 von der Leipziger Buchmesse zurück in die Hauptstadt“ ehemals auf hauptstadtstudio.com)

Homepage – Leipziger Buchmesse



Kolumne auf Hauptstadtstudio: Premiere von Händels Orlando in der Komischen Oper Berlin – Ein Opern-DAU packt aus

Premiere »Orlando« und der 1. Besuch in der Komischen Oper Berlin

Kolumne Hauptstadtstudio

© Hauptstadtstudio

Der Opern-DAU, der bin ich. Vielleicht nicht unmittelbar in Bezug auf das überaus interessante Thema der alltäglichen und klassischen Liebe, da kenne ich mich tatsächlich etwas mehr aus. Ich meine da eher die Sphären, die sich im fachbegrifflichen Umfeld der Klassik bewegen. Einer überraschenden Einladung von Kevin folgend habe ich mich letzten Freitag in die Oper begeben. Mit einem nicht gerade dafür passenden Kleidungsstil, was auch dem engen Zeitintervall an jenem Tag zu zuschreiben war, stand ich am Freitag in Jeans und Pulli vor dem Eingang der Komischen Oper in Berlin Mitte.

Wenigstens die Lackschuhe hatte ich in guter Voraussicht schon am Morgen an die Füße geschnallt. Halt suchend, grabschte ich mir den Informations-Flyer zum Inhalt von Händels ‘Orlando’ im Eingangsbereich, da wo die Karten verkauft wurden. Ich las interessiert den Text. Vor mir lag die Premiere des skandinavischen Regisseurs Alexander Mørk-Eidem – Händels Opera seria »Orlando« in drei Akten. Laut kulturserver.de Mørk-Eidems erste Oper. Zuvor jedoch stellt sich natürlich die Frage: Was ist eigentlich ein DAU? Ich habe mir einmal erlaubt meinen hierarchischen Grad in Sachen Opernpräsenz- und Basiswissen in Bezug auf mein bisheriges Erdenleben auf eine zeitgemäße technische Definition zu reduzieren. Hier speziell auf eine Definition, die den modernen Internet-User ins Gericht nimmt. Ein DAU ist im Computerbenutzeralltag der „Dümmste anzunehmende User“. Quasi ein „Freigeist“ ohne Grundlagenwissen und Sachverständnis im Umgang mit dem Computer und deren Anwendungen. Hierzu zählt ebenso der Umgang mit dem Internet. In meinem Fall: Bin der ich der DAU – Der Opern-DAU. Auch wenn es bei mir dau-technisch auf den Brettern des Opernparketts fehlt, so fehlt es mir nicht an zwei gesunden Augen, einem Durchschnittgehör und der normalen Verarbeitung aller Sinneseindrücke an so einem Abend in der Komischen Oper. Bei Letzterem, den Sinneseindrücken, beziehe ich mich vor allem in Sachen Liebes-Wirrwarr zwischen Orlando (Mariselle Martinez), Angelica (Brigitte Geller), Medoro (Elisabeth Starzinger) und Dorinda (Julia Giebel) einem Protagonistenensemble nur aus dem weiblichen Part der Geschlechter bestehend, auf eine doch ungewöhnliche Mann-Frau-Viererbeziehung.

»Orlando« und die Liebe – Georg Friedrich Händel eine Oper in drei persönlichen Impressionen

Alle guten Dinge sind drei. Das erste Ding betrifft das Opernhaus in seinen Grundfesten selbst. Ich durfte vor der Premiere in den architektonischen Genuss des Opernsaals kommen. Ein wahrlich schöner Anblick des gülden verzierten Interieurs. Mit seinen Steinfigürchen rund um die Kuppel gibt es hier von mir für den Abend einfach mal die gefühlte Note: Gemütlich und sehenswert. Schon das Gefühl auf dem roten Teppich der Festtreppe empor zu gleiten – es fühlte sich gar nicht an wie Treppen steigen, das macht es in solch einer Atmosphäre eigentlich nie – war ein angenehmes Gefühl. Ganz entspannt zusammen mit Kevin unter all den Kunstliebhabern schritten wir empor. Immer ein „Sehen und Gesehen“ werden. Beim Besuch einer Veranstaltung, primär einer Premiere, ist dies quasi der eigentliche Prolog vor dem Hauptschauspiel. Abgesehen davon kam ich beim Emporsteigen so nach und nach den bald folgenden Opernstimmen und dem wunderschönen Saal immer näher. Der klassische Ohrenschmaus stand kurz bevor. Dem lauschte ich dann auch gebannt und versuchte als Opern-DAU auf Feinheiten zu achten, deren Beurteilung ich mir hier nicht anmaßen möchte. Jedoch sei ein anderer äußerst interessanter Aspekt erwähnt: Schon immer war es mir ein Rätsel wie die Zuschauer in der Oper die Sänger verstehen können. Klar mag so mancher wissen was der Monolog oder Dialog so hergibt, aber manchmal …Völlig erstaunt sah ich vor mir am oberen Ende der Stuhllehne eine kleine integrierte Digitalanzeige, die im Dunkeln sacht leuchtete. Sie zeigte für den Opernbesucher den Text der Sänger fast synchron laufend mit an. „Was es nicht alles gibt?“ Als Opern-DAU fühlte ich mich total begeistert und war gebannt von der musikalisch und darstellerischen Handlung auf der Bühne und dem gleichzeitigen Textverlauf in der Stuhllehne meines Sitzplatzvorgängers. Nur nach der Pause schien da irgendetwas schief gelaufen zu sein. Da ich die Texte akribisch verfolgte, bemerkte ich relativ schnell, dass ich eigentlich die Phrasen von vor der Pause zu lesen bekam; also alles alte Kamellen vom letzten Akt. Schade eigentlich, aber das machte Isabella die Assistentin von Zarathustra (Wolf Matthias Friedrich) gespielt von Bernd Stempel im lila Zweiteiler wieder wett. Eine stumme Rolle in Röckchen mit optisch männlicher Note, ein gespieltes Highlight zum Schmunzeln. Das zweite Ding sei hiermit abgeschlossen. Da aller guten Dinge der Impressionen drei sind durfte die Liebe nicht fehlen. Für uns stellte sich, wie Kevin meinte, ein durchaus interessantes „lesbisches Überkreuz-Beziehungsdrama“ dar. Eine wirklich besondere Art der Darstellung des Hauptthemas der Liebe bei Händels Oper »Orlando«. Frauen in Männerkostümen, die sich um Frauen stritten. Gebannt blieb ich am Ball der Handlung der Liebesirrungen- und Wirrungen im opern-klassischen Sinne. Mitten im Tannenwald trafen sich die Liebesverzweigten und Liebesverzweifelten. Die Kulisse war der Hammer und die Lichteffekte zwischen den Bäumen einfach genial. Ein alter VW-Bus diente als Liebesnest, wie auch Unterschlupf, vor allem wenn es brenzlig wurde, weil irgendjemand wieder auftauchte und irgendjemanden liebte, der nicht geliebt werden wollte. Camping vom Feinsten mit weiblichen Tenören, die sich gegenseitig die Liebe schworen, die Liebe fanden, letztendlich wieder verloren und sie erneut wieder fanden und überhaupt noch viel mehr. Immer irgendeine verquerte Art der Liebe.

Böhmes Böhmische Dörfer und „Klassische Musik“ in der Kritik auf klassik.com

Blut gab es auch. Vor allem nach dem Selbstmord von Orlando. Da war die Wand rot und Orlando tot. Hörbar gab es einem lauten Knall aus der Knarre, der alle zu diesem Zeitpunkt möglicherweise schlafenden Opernbesucher geweckt haben dürfte. Ich wurde nicht geweckt, ich war die ganze Zeit wach gewesen, denn ich fand die Inszenierung wirklich sehenswert. Nun muss ich zugeben, dass dies mein persönlicher Eindruck von der Inszenierung ist und nur ein winzig kleiner Einblick in die eigenen Böhmischen Dörfer der klassischen Oper. Daher an dieser Stelle der Verweis auf eine vollständige vor allem inhaltliche fundierte Kritik zum Deutschlanddebüt von Alexander Mørk-Eidem – Händel »Orlando« – „THE L-WORD GOES BAROQUE“ von Dr. Kevin Clarke auf klassik.com. Da ja aber nun der Begriff DAU nach seiner Herkunft dem Wörtchen GAU („größter anzunehmender Unfall“ – ähnlich einem Supergau) angelehnt ist, möchte ich aber noch einen inhaltlichen Aspekt hierzu kundgeben. Nämlich: Wenn im computer-technischem Sinne etwas DAU-tauglich ist, dann bedeutet das, dass ein Programm auch ohne Hintergrundwissen für den zukünftigen Anwender nutzbar und intuitiv anwendbar ist. Möglich Fehlbedienungen und Fehlinterpretationen sind dabei inbegriffen. In diesem Fall bezieht sich das ebenfalls auf einen, auf meinen Besuch in der Oper. Denn auch die Oper ist für Laien und DAUs wie mich „nutzbar und intuitiv anwendbar“; sinnlicher Genussfaktor inbegriffen. In diesem Sinne kann ich mich sogar von einer Opern-Dau-Fehlinterpretationen frei sprechen. Denn wenn ich schon ein DAU bin, sei es auch nur ein Opern-DAU, dann ist eine Fehlinterpretation des Abends schon von vornherein „ausgeschlossen“ eingeschlossen.

(Kolumne „Premiere von Händels Orlando in der Komischen Oper Berlin – Ein Opern-DAU packt aus“ ehemals auf hauptstadtstudio.com)



Interview mit der Berliner Band Berge auf Hauptstadtstudio

Interview mit der Band Berge zum Debütalbum „Keine Spur“

Berliner Band Berge

hoertberge.de

Vor kurzem habe ich hier in der Rubrik „Videos auf dem Blog“ das Lied „Die fetten Jahre sind vorbei“ von Berge vorgestellt. Hauptstadtstudio hat 10 neugiere Fragen an die Band gestellt, die Rocco, einer der vier Bandmitglieder, mir gern beantwortet hat. Mehr Informationen zur Berliner Band Berge wie Twitter, Homepage, Debütalbum „Keine Spur“ und natürlich das Interview können Interessierte auch auf hauptstadtstudio.com lesen.

Es folgt der Artikel mit dem Interview der Band Berge:

„Keine Spur“ das Debütalbum der Berliner Band Berge

In Berlin steckt viel Musik. In den Clubs, auf den Straßen, in Proberäumen, in den Zimmern von Wohngemeinschaften, auf der Sommerwiese im Tiergarten oder auf den öffentlichen Plätzen wie zum Beispiel dem Alexanderplatz; letztendlich in den hiesigen Konzerthallen. In der Hauptstadt tummeln sich viele Künstler, vor allem auch Musiker unterschiedlicher Genre. Einsame Solisten, erquickende Duos, aber auch Zusammenschlüsse mehrerer Musiker – leidenschaftliche Liebhaber von Melodien und Texten – zu einer Band, sind hier auf ihren Instrumenten unterwegs.

Die Berliner Band Berge kommt direkt von der Spree. Berge, das sind vier gebürtige Berliner, die neuen Schwung in das deutschsprachige Popkarussell bringen. Die Band, deren Stimme die Sängerin Marianne ist, besteht seit dem Jahr 2007. Mit den drei Musikern Rocco, Jakob und Rüdiger komplettiert sich das Band-Quartett. Am 6. Februar 2010 erschien das Debütalbum „Keine Spur“. In Online-Shops wie zum Beispiel iTunes, Musicloadoder bei Amazon ist das Album bereits erhältlich. Musik und Texte produzieren und schreiben Berge selbst. Die Band gestaltet eigenhändig das Artwork, ihre Videos und Kurzfilme. Das Hauptstadtstudio war neugierig und stellte der Band Berge 10 Fragen. Rocco „einer der 3 Kerle“ aus der Band stand Rede und Antwort.

10 Fragen an die Berliner Band Berge

Jens: Hallo „Berge“ ich grüße Euch und bin neugierig. Ich kann mir vorstellen, dass Ihr die Frage schon oft gehört habt. Also die nervigste Frage zu Beginn: Wie seid Ihr auf den Bandnamen „Berge“ gekommen?

Berge: Na dann legen wir mal los …Der Name war eine teilweise intuitive und am Ende eine rationale Entscheidung. Einer unserer Songs fängt mit diesem Wort an und heißt auch so, dadurch hat sich das Wort lange Zeit in die Köpfe gebrannt als wir noch keinen Namen hatten. Und als es dann um die Namensfindung ging, sollte der Bandname auch ein paar Kriterien erfüllen: Kurz sollte er sein. Er sollte deutlich erkennbar machen, dass es sich um eine deutschsprachige Band handelt. Er sollte viele Bilder hervorrufen, ohne ein Phantasiewort zu sein. Da war die Entscheidung recht schnell da.

Jens: Wer schreibt bei Euch die Texte und welche Begebenheiten inspirieren Euch dabei? Wo sucht Ihr die Kreativität?

Berge: Die Texte und die Musik schreiben Rocco und Marianne zusammen. Die Themen dafür sind weit gefächert, oft einfach nur von dem abhängig, was einem in der Zeit gerade beschäftigt. Grundsätzlich handeln die Texte irgendwie von der Natur des Menschen, von Denkweisen oder eigenen Beobachtungen, ohne dabei zu sehr vorzuschreiben, was jeder einzelne zu hören hat. Kreativität ist eigentlich immer da, wenn man sie zulässt und nicht zu angestrengt ein ganz bestimmtes Ergebnis erzwingen will. Sobald eine Textpassage oder ein paar bestimmte Klänge einen berühren, entsteht der Rest des Songs von selbst.

Jens: Seit 6. Februar ist Euer Debüt-Album „Keine Spur“ in den Online-Shops zu bekommen. Wie lange habt ihr an dem Album gesessen?

Berge: An dem Album Haben wir ca. ein Jahr gesessen und es in unserem alten Proberaumstudio aufgenommen. Inklusive Songs schreiben und allem was dazu gehört. Es war ein langer Weg, der sich für uns aber gelohnt hat, denn wir konnten alles so umsetzen wie wir uns das gewünscht haben.

Jens: Was ist der Hintergrund des Titels „Keine Spur“, der sowohl Albumtitel als auch Titel einer der Songs ist?

Berge: Auch hier gilt wieder: Jeder kann sein eigenes Bild vom Song bzw. vom Titel haben. Der eine hört vielleicht einen Dialog zwischen zwei Menschen aus dem Songtext, ein anderer vielleicht einen Text über Vergänglichkeit und das am Ende eh alles wieder zu Staub wird. Im Zuge des CD Titels ging es darum, dass Musikhören in der heutigen Zeit wie ein Rummelbesuch, kurzlebig und ohne Nachhaltigkeit, funktioniert. Vor 10 Jahren hat man jede CD deutlich öfter gehört und auch mehr geschätzt. Das ist sicherlich nicht pauschal bei jedem so, aber in der Masse kann man die Entwicklung erkennen und darum geht’s in diesem Albumtitel.

Jens: Ihr seid harmoniesüchtig und Romantiker habe ich gehört und gelesen. Der Song „scheinbar“ drückt dies, meines Erachtens, sehr stark aus. Was bedeutet das Wort „Romantik“ für Euch und Eure Musik?

Berge: Romantik ist für uns auf jeden Fall kein klischeebehafteter oder kitschiger Begriff, eher ein Ausdruck mutig mit Emotionen jeglicher Art umzugehen. Wirklich romantisch sind wir aber eher nicht, vielmehr harmoniesüchtig im Sinne der musikalischen Harmonien. Pop ist nun mal Pop und wir alle sind unter anderem auch mit Popmusik groß geworden.

Jens: Neben anderen interessanten Schlagwörtern zu „Berge“ definiert Ihr Euch mit der Phrase „Suche nach besonderen Momenten“. Wo sucht Ihr diese Momente für Euch? Wie stark könnt Ihr diese in der Musik festhalten?

Berge: Ob ein Moment etwas Besonderes ist oder nicht bestimmt nicht der Umstand, sondern die Betrachtungsweise. Sprich: Wir suchen eigentlich in den meisten Momenten eine Besonderheit. Egal ob man auf dem schönsten Konzert seines Lebens ist oder einfach nur aus dem Fenster schaut und Tauben beobachtet. Wenn man Interesse hat genauer hinzusehen, dann kann man viel entdecken wo man oft vom Alltag abgelenkt ist. Mit der Musik ist das ähnlich, du kannst einen Song schreiben und danach auch versuchen ihm kleine Besonderheit zu verleihen, egal ob im Text oder im Sound.

Jens: Unabhängig davon, dass Ihr mit Sicherheit Eure eigene Note habt. Provokativ gefragt: Was sagt Ihr zu einem Vergleich mit Silbermond?

Berge: Wir sind eine deutschsprachige Pop/Rock Band mit einer dunkelhaarigen Sängerin und 3 Kerlen, welche die typischen Rockband Instrumente spielt. Da können sehr viele Ähnlichkeiten gefunden werden. Man kann es aber auch lassen und sehen was an Berge eigen ist. Der Vergleich wäre berechtigt, wenn wir bewusst Silbermond kopieren würden, das ist aber nicht der Fall, daher ist der Vergleich für uns hinkend. Es ist ja auch irgendwie nachvollziehbar das man, wenn man nicht bekannt ist, erst mal mit etwas Bekanntem in Verbindung gebracht wird.

Jens: Beim Titel „Die fetten Jahre sind vorbei“ muss ich unweigerlich assoziativ an den Film mit Daniel Brühl denken. Aber lassen wir das. Wie ist der Titel „Die fetten Jahre sind vorbei entstanden“? Gibt es dazu ein Geschichte?

Berge: Die Refrainmelodie und die Textzeile kamen mir (Rocco) beim Hören eines Foo Fighters Songs in den Kopf; ohne dass ich in jener Zeit den Film gesehen habe. Es war durchaus in der Band ein Thema, ob wir den Text abändern sollten, aber irgendwie passte die Melodie nur mit dem Text zusammen. Also haben wir’s so gelassen. Die Zeile hat jedenfalls keinen Bezug zum Film gehabt.

Jens: Wo und wann können Fans Euch dieses Jahr auftreten sehen? Gibt es schon Termine?

Berge: Wir spielen am 18.03.2010 in München im Ampere. Weitere Termine folgen ganz bald.

Jens: Wie sieht Eure Zukunft aus, was habt Ihr demnächst vor und ist schon ein 2. Album geplant?

Berge: (Rocco lacht) Album 2 – so etwas ist, glaub ich, immer geplant oder nicht? … Wir schreiben neue Songs, spielen ein paar Mal live und toben uns noch mehr aus was Animationsfilme etc. angeht. Wir wollen vor allem live eine Menge mehr auf die Bühne zaubern als nur 4 Musiker mit ihren Instrumenten. Es steckt alles noch in den Kinderschuhen, aber man kann schon ganz gut erkennen, wo die Reise hingehen soll. Kommt vorbei und schaut es euch einfach an.

(Das Interview führte Jens Böhme mit der Band „Berge“)

(Interview mit der Berliner Band Berge ehemals veröffentlicht auf hauptstadtstudio.com)